Die Google-Startseite empfängt ihre Besucher heute mit sanften Klavierklängen und der verträumten Animation einer nächtlichen Großstadt aus dem 19. Jahrhundert. Der Vollmond ist aufgegangen, der Himmel ist sternenklar. Aus einer fernen Fabrik steigt Qualm in den Nachthimmel auf. Schließlich fängt es zu regnen an, und ein Paar mit Regenschirm treibt in einem Ruderboot auf einem See vor der Stadt, im Hintergrund sind nur ein paar Gaslampen schemenhaft zu erkennen.

Nach ein paar Augenblicken des Lauschens und Schauens erinnert man sich. Es ist "Clair de Lune" von Claude Debussy, das Google da für einen spielt. Die Musik und die Animation sind ein Geburtstagsgruß an den französischen Komponisten Debussy. Er wäre heute 151 Jahre alt geworden, wäre ein Menschenleben nicht so kurz und begrenzt. Doch obwohl Debussy schon in seinen Fünfzigern einem Krebsleiden erlag, ist seine Musik immer noch von großer Bedeutung.

Talent zur Improvisation

Zunächst wollte er Pianist werden, doch seine eigenartige Spielart missfiel seinem Lehrer. So wechselte er in die Komponistenklasse, wo ein gewisses Talent zur Improvisation geschätzt wurde. Nach seiner Ausbildungszeit musste er trotzdem zunächst als Musiklehrer arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Erst als er 1884 den Prix de Rome gewann, seinerzeit die höchste musikalische Auszeichnung Europas, durfte er auf Staatskosten in der römischen Villa Medici seinen musikalischen Studien nachgehen. Doch der Aufenthalt an der Akademie empfand er als einengend. Das dürfte auch daran liegen, dass er sich Zeit seines Lebens gegen die klassisch-romantische Musiktradition auflehnte. Später wurde er als Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus gefeiert. Tatsächlich erinnern seine Stücke bisweilen an die Bilder eines Claude Monet.

Nach seinem Besuch der Weltausstellung in Paris im Jahr 1989 setzte er sich intensiv mit Musik aus außereuropäischen Kulturkreisen auseinander. Die fremdländischen Klänge vor allem von russischer und arabischer Musik übernahm er in seinen Kompositionsstil, der sich später durch andersartige Klangfarbe und Rhythmik auszeichnete.

Erfolgreich war er schließlich mit Kompositionen wie der "Prélude à l'après-midi d'un faune", "Les nocturnes" sowie dem Klavierspiel "Suite bergamasque", dessen dritter Satz der bekannte "Clair de Lune" ist. "Clair de Lune" ist auch in Blockbustern wie "Sieben Jahre in Tibet" oder "Twilight" als Hintergrundmusik zu hören.

Von seinen Zeitgenossen wurden Debussys Opern und Orchesterwerke zunächst kritisch aufgenommen, klangen die Dissonanzen in ihren Ohren bisweilen doch disharmonisch. Kritiker aber lobten den Bruch mit dem gängigen Stil, und machten Debussys Kompositionen so einem breiteren Publikum schmackhaft. Auch berühmte Komponisten wie sein Zeitgenosse Pierre Boulez oder spätere Musikschaffende wie Olivier Messiaen, Igor Strawinsky und Béla Bartók ließen sich von Debussy inspirieren. Für das heutige Ohr klingen die Werke des Franzosen kaum noch disharmonisch, sondern faszinieren durch die bisweilen sphärisch verträumten Klanggestalten.