Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ ist der Inbegriff der hellen, gutartigen Romantik, einer Romantik der angenehmen Gefühle. Die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz ist der Inbegriff des Gegenteils, der schwarzen Romantik, ein Triumph der Selbstzerstörung durch fehlgeleitete Liebe und drogenverursachte Halluzinationen. Claudio Abbado, der am Sonnabend sein jährliches Gastkonzert bei den Berliner Philharmonikern dirigierte, neigt wohl eher der apollinischen als der dionysischen Romantik zu. Unter seinen Händen erhält jede Form etwas Objektives; so vertraut dem großen Schumann- und Mahler-Interpreten auch die Finsternisse der Seele sind – mit dem Ende heilen die Risse, verklärt sich das Werk.

Am Ende der „Symphonie fantastique“ jedoch, im Hexensabbat voller Cancan-Obszönität, bricht der Klang noch einmal ein, dringt ein Fauchen von großen Trommeln und schrappenden Streichern aus dem Orkus zur Begleitung des Dies irae. Der Moment wirft seine Schatten über den brutalen Glanz des Schlusses, enthüllt sein C-Dur als ironisches Zitat – hier ist nichts gut, rein, besiegt oder heil.

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