Manchmal passiert es bei Konzerten, dass die oft viel unbekanntere Vorband so überraschend gut ist, dass man fast vergisst, wegen welcher Band man eigentlich gekommen ist. In diesem Fall ist die Rede von PUP, die am Montagabend als Support für die großartigen Cloud Nothings auf dem Escobar Sun Deck am Badeschiff einen bleibenden Eindruck hinterließen. Kurz vor dem Auftritt der kanadischen Punkrocker zeigte sich nach einer kurzen Regenhusche ein wunderschöner Regenbogen am Berliner Himmel, der so viel sagte wie: Es kann losgehen!

Die vier Musiker von PUP – was für Pathetic Use Of Potential steht – sind das beste Beispiel dafür, in welch kurzer Zeit man mit Musik erfolgreich, wenn auch nicht reich werden kann. Und das Geheimrezept für Erfolg bedeutet vor allem im Punkrockgenre immer noch: Shows spielen bis zum Umfallen. Das tun PUP, seit sie sich 2013 zusammen getan haben. So kamen die Kanadier in diesem Jahr zu der Ehre, auf dem legendären South by Southwest Festival in Texas zu spielen – und wurden prompt vom Rolling Stone Magazine zu den „Breakout Rock Acts 2014“ gelistet.

Ausbruch aus der Lethargie

Überraschend ist es kaum, dass die junge Band in den höchsten Tönen gelobt wird, denn PUP haben eines der besten Pop-Punkrock-Alben 2014 fabriziert. Hoch motiviert und mit viel Energie spielten sie ihr Debütwerk vor dem Berliner Publikum, das anfangs noch den obligatorischen Halbkreisabstand vor der Bühne ließ, die unglaubliche Spielwut dann aber mit viel Applaus honorierte.

Der wohl beste Song des Albums „Reservoir“ erzählt vom Ausbruch aus der Lethargie, die einen in den Mittzwanzigern überkommt, wenn das Leben sinnfrei erscheint. Angepisst zu sein, von allem und jedem, ist bekanntlich die Grundstimmung bei Punkrockbands, die etwas auf sich halten. „Ein Balanceakt zwischen Aggression und Pop“, so hat das Musikmagazin Stereogum den Sound von PUP beschrieben und damit schon alles gesagt. Besonders schön ist es dann, wenn die Band gemeinsam losschreit und den Text ins Mikro schmettert – immer mit viel Liebe zur Melodie. Es ist eine Freude, den Musikern auf der Bühne zuzuschauen, die sich auf ihre Art bedankten: „Warum sind wir nicht schon früher nach Berlin gekommen? Das Bier ist billig, und die Menschen sehen super aus!“

Schüchternheit und Leidenschaft

Dass das Konzert ausverkauft war, lag aber letztendlich doch an Cloud Nothings, die sich in den vergangenen Jahren unaufhörlich nach oben gespielt haben. Der Sänger und Gitarrist Dylan Baldi gehört mit seinen 22 Jahren fast zu den alten Hasen im Genre, und man kann nur erahnen, was in den nächsten Jahren noch an großartigen Songs auf uns zukommt. Das Trio aus Cleveland hat bereits sein viertes Album namens „Here and Nowhere Else“ veröffentlicht und etliche Festivals in Europa gespielt.

Das Berliner Publikum wollte die Songs möglichst nah erleben und drängelte sich früh vor die kleine Bühne. Cloud Nothings hätten auch locker einen Ort wie das Lido gefüllt, doch die quasi Open Air Show war atmosphärisch kaum zu übertreffen. Wer den Sound von Cloud Nothings liebt, der sich irgendwo zwischen Noise, Lo-Fi und Indierock bewegt, der liebte auch den nerdigen Baldi, der während des Auftritts schüchtern am Mikro stand, aber dafür mit allergrößter Leidenschaft seine Lieder in die mittlerweile kühle Berliner Augustluft sang.