Comedian Masud.
Foto: imago images/Andreas Weihs

BerlinWer hatte schon vor der Pandemie Karten gekauft? Kaum einer. Wer ist zum ersten Mal seit Corona wieder im Theater? Alle! Die Abfragen von Masud Akbarbazeh zeigen es: Sein Auftritt ist ein ganz besonderer. Der Comedian eröffnet die Open-Air-Saison.

Die Ufa-Fabrik ist mit ihrer überdachten Bühne besonders gewappnet und setzt die Auflagen vorbildlich um. Auf einer Fläche, auf der 700 Besucher stehen und 450 sitzen könnten, dürfen sich gut hundert Gäste auf Zweierstühlen verteilen, im Schnitt hat jeder stolze vier Quadratmeter für sich. Dabei herrscht hier am Sonnabendabend nach dem Regen eine so luftig-zugige Atmosphäre, dass Decken und Kissen für die Gesundheit wohl wichtiger gewesen wären.

Masud bringt das passende Getränk mit auf die Bühne: eine große Tasse Tee. Er spinnt auch gleich seine ersten Gags aus der hierzulande üblichen, lieblosen Art, Tee zu kredenzen. So aufreizend ruhig, wie er trinkt, wandelt er durch sein Programm: euphorielos, mit halb geschlossenen Augen – um Energie zu sparen. Für Leute wie Mario Barth, der mit dem Schlachtruf „Kennste, kennste, kennste“ auf dieser neun Meter breiten Bühne hin und her tigern würde, hat er nur müde Verachtung übrig. Der Stand-up-Comedian bleibt lieber im Sessel sitzen. Masud ist unter dem Namen „Persian Freak“ viel im Netz unterwegs – und hat sich auf YouTube auch schon über den Trend zum Autokino lustig gemacht. Er bespielte ein paar Schrottkarossen, als wären es Gäste.

Im Unterschied zu vielen Kollegen betreibt Masud Akbarzadeh, der als Kind aus dem Iran nach Berlin gekommen ist, keine „Ethno-Comedy“, reibt sich aber gern an den Wunderlichkeiten der deutschen Sprache. So fragt er, warum man hier die Straßen, besser: die Gehwege rauf und runter laufe – obwohl sie vollkommen eben sind. Auch das Spazierengehen verwundert ihn: Bis wann geht man, ab wann spaziert man? Er selbst gehe manchmal joggen – und vergesse dann unterwegs, warum er eigentlich losgelaufen sei, fragt sich, ob er auf der Flucht sei. Überhaupt gibt er den früh gealterten Flaneur, der mit seiner „observativen Comedy“ seltsame Begebenheiten auf Spielplätzen oder in der U-Bahn einfängt und immer wieder zum Resümee kommt: Das ist nicht meine Welt!

Um sein Alter macht er ein Geheimnis: Sein Programm „Fame“ soll sein 25-jähriges Bühnenjubiläum feiern – dabei ist der Typ mit dem kaum gebändigten Haarbusch schätzungsweise um die dreißig. Vom „Ruhm“ hat er ganz eigene Vorstellungen: Er fühle sich schon reich, wenn er im Flugzeug beim Snackwagen nicht nach den Preisen fragen müsse.

Doch für die luftige Arena entwickelt sein hintersinniges Programm, das im intimeren Rahmen besser funktioniert, zu wenig Durchschlagskraft. Klatschen verebbt im Wind, Lacher pflanzen sich nicht fort. Am Donnerstag dürfte das Sextett „The Cast“ mit seiner rockigen Opern-Hit-Revue unterm Ufa-Zelt deutlich mehr Kraft entfalten.