Die Murmeltierwochen haben begonnen. Jeden Morgen, noch vor dem Aufstehen, reibt man sich die Augen und wundert sich über die Zeitschleife, in die man gefallen zu sein scheint. Draußen sehen die von den Bäumen fallenden Blätter so aus wie die im Herbst des Vorjahres, aber wir haben gelernt, dass es da ist, das Virus, und es keinen Laubbläser dafür gibt. Der Jogger, der uns beim Spaziergang begegnet, atmet es womöglich aus, und erschrocken blickt man sich nach dem Jungen um, der im Vorbeigehen so kräftig gehustet hat. In der Einkaufstaschen der Menschen in der Warteschlange sieht man den Dreierpack Tiefkühlpizza und – keine Satire – das Regal mit dem Klopapier ist wieder leer.

Zu meinen persönlichen Lockdown-Gewohnheiten zähle ich ab sofort wieder Sebastian Pufpaffs Fünf-Minuten-Terrine auf 3sat. „Noch nicht Schicht“ heißt sein kleines Optimismus-Magazin, in dem er der Epidemie aus einem Homeoffice-Studio mit konzentriert-fahriger Lockerheit trotzt. Im Frühjahr durfte der nicht zuletzt aus der „heute-show“ bekannte Kabarettist auf 3sat die Sendezeit der „Kulturzeit“ verkürzen, es gab ja weniger zu berichten aus Theater, Oper und Konzert. Nun hat sich der Drei-Länder-Sender entschlossen, Pufpaffs saloppen Tagesrückblick für das späte Abendprogramm zu reaktivieren. Das signalisiert Lockdown-Light-Routine. Sebastian Pufpaff sendet einen Gruß aus der Küche, weil die Küchen und Lokale der Umgebung vorerst doch geschlossen bleiben.

Natürlich ist in diesen Tagen nichts schwerer als die Destillierung unterhaltender Aspekte aus einer sozialen Krise, deren depressive Züge kaum mehr zu übersehen sind. Die Witze über Abstandsregeln evozieren nur noch ein müdes Lächeln, geht jetzt wirklich alles wieder von vorn los?

Sebastian Pufpaff („Euer Puffi“) schlägt vor, fröhlich in den Lockdown zu gehen und hat pädagogisch wertvolle Ratschläge parat: „Hört endlich auf, diese Massenhochzeiten zu feiern!“ Mit dem Nacherzählen der flottesten Sprüche aber wird man diesem unangestrengten Format nicht gerecht. Zum Erfolg der Sendung im Frühjahr hat wohl auch der coole Apokalypse-Song der Kapelle Petra beigetragen: „An irgendeinem Tag wird die Welt untergeh’n/ an allen anderen Tagen aber halt nicht.“ Und so lautet die Botschaft nicht „Panik jetzt!“, sondern weitermachen, so gut es geht. „Und wenn das Ende vor der Tür steht, mach‘ ich vielleicht gar nicht auf.“ In mancherlei Hinsicht ist Pufpaffs Sendung, in der der rheinische Singsang dominiert, das Comedy-Format zum Song - wahlweise als geistige Anstrengung oder Entlastung.

„Noch nicht Schicht“ mit Sebastian Pufpaff, im November von Montag bis Donnerstag um 22.25 Uhr auf 3sat