Am 15. April 2008 durchsuchten sechs Beamte in Zivil das Büro des kleinen Kairoer Verlags Malamih Publishing House. Die Männer beschlagnahmten 300 Exemplare des kurz zuvor erschienenen Comics „Metro“ – er gefährde die öffentliche Moral, lautete die offizielle Begründung. Auch die bereits ausgelieferten Exemplare verschwanden innerhalb weniger Tage aus den Buchhandlungen.

Erst ein Jahr später kam es zu einer Gerichtsverhandlung: Nicht nur der Verlag, sondern auch der Zeichner Magby El-Shafee wurden zu einer Geldstrafe verurteilt, das Buch blieb verboten. Dabei war jedem klar, so der heute 50-jährige El-Shafee, dass es nicht um ein Paar blanke Busen in einem Comic ging, sondern um dessen politische Botschaft.

„Metro. Kairo Underground“ endlich in deutscher Übersetzung

Nun erscheint „Metro. Kairo Underground“ endlich in deutscher Übersetzung. Und keine Frage: Dieser Comic hat es in sich. Politisch ist er, bietet aber viel mehr. Zuerst fällt die Unterteilung der Kapitel auf: Sie tragen die Namen von Metrostationen, die in Kairo häufig nach ehemaligen Präsidenten benannt sind.

Die Geschichte beginnt bei „Muhamed Naguib“, die Station ehrt die ersten Präsidenten Ägyptens und ist nur einen Halt von „Sadat“ entfernt; wir befinden uns also auf geschichtsträchtigem Terrain. Schihab ist das allerdings egal. Der junge Mann findet keine Arbeit, obwohl er ein gut ausgebildeter Software-Ingenieur ist. Außerdem schuldet er einem dubiosen Geschäftsmann viel Geld.

Held auf dem Abstellgleis

Wenige Stationen weiter steht unser Held beinahe schon auf dem Abstellgleis. Kairo ist ein Moloch. Hier kommt nur voran, wer die richtigen Kontakte zu Partei und Armee hat und Schmiergeld in ausreichender Höhe zahlen kann. Schihab ist da ohne Chance. So wie auch seine Freunde, der Schuhputzer Wannas, der mit dem wenigen Geld, das er verdient, seinen Kindern keine bessere Zukunft bieten kann, und Mustafa, der in einem Slumviertel wohnt, um das die Behörden eine Mauer bauen ließen, damit sich niemand an dem hässlichen Anblick stören muss. Also plant man den Befreiungsschlag: Ein Banküberfall soll endlich das große Geld bringen...