Dragqueen Jurassica Parka steht am Sonnabend im BKA-Theater auf der Bühne, die Show wird live im Internet übertragen.
Foto: Markus Wächter

BerlinDass es hinsichtlich der Corona-Krise auch in Berlin ernst wird, war zum ersten Mal zu spüren, als alle großen Theater schlossen. Auch alle kleinen Häuser mussten den Spielbetrieb einstellen – für sie ist die Situation besonders schwierig, da sie keine Subventionen bekommen und auf die Eintrittsgelder angewiesen sind. Doch es gibt Aktionen, die helfen sollen.

Bundesweit fordern Menschen aus Solidarität zu großen und kleinen Theatern dazu auf, bei der Rückgabe von bereits gekauften Tickets genau zu überlegen, ob eine Erstattung wirklich nötig ist. Für viele kleinere Häuser sei die Corona-Epidemie eine „existenzielle Bedrohung“, heißt es etwa auf dem Berliner Theaterportal „nachtkritik.de“. „Wir möchten daher all diejenigen aufrufen, die ein Ticket für eine der vielen ausfallenden Vorstellungen besitzen und denen es finanziell möglich ist, auf eine Rückerstattung zu verzichten.“

Gerade die kleinen Theater und freischaffende Künstler wie ich haben keine großen Rücklagen. Weil man das verdiente Geld im Kultur-Bereich immer wieder investiert. Es ist wichtig, dass sich die Gäste jetzt solidarisch zeigen.

Jurassica Parka, Berliner Dragqueen

Gerade jetzt brauchen die kleinen Bühnen der Stadt die Unterstützung ihrer Fans – und lassen sich dafür auch das eine oder andere Projekt einfallen. Auch im BKA-Theater am Mehringdamm musste sich etwa der Vorhang schließen. Gespielt wird trotzdem - das verkündete schon Travestie-Star Ades Zabel als Edith Schröder in einer Ansprache an das Volk.

Mehrere Shows sollen in den kommenden Wochen live im Netz gestreamt werden. Kostenlos für alle, aber Fans können auch „Anti-Virus-Tickets“ für 10, 20 oder 40 Euro kaufen, um das Haus zu unterstützen. 

„Gerade die kleinen Theater und freischaffende Künstler wie ich haben keine großen Rücklagen“, sagt Parka. „Weil man das verdiente Geld im Kultur-Bereich immer wieder investiert. Es ist wichtig, dass sich die Gäste jetzt solidarisch zeigen.“   

Abgesehen von den finanziellen Problemen wollen wir unterhalten, aber wir dürfen nicht. Also suchen wir nach Mitteln, es trotzdem zu tun.

Margot Schlönzke, Entertainerin

Zudem sei es die eigene Berufung, Menschen gerade in schwierigen Zeiten zum Lachen zu bringen. „Das ist heilsam und genauso wichtig wie der Arztbesuch.“ Weitere Termine stehen bereits fest: Am Mittwoch um 20.30 Uhr liest Wladimir Kaminer auf der Bühne, am Sonnabend steht die Travestie-Crew rund um Comedy-Größe Ades Zabel auf den Brettern. Alle Shows werden über die Facebook-Seite des Theaters übertragen.

Auch die Berliner Entertainerin Margot Schlönzke tritt auf – jeden Sonnabend um 20 Uhr im Showpalast „Incognito“, vor leeren Stuhlreihen, an ihrer Seite mehrere Kollegen. Während der „Quarantäne-Show“, die auf der Facebook-Seite der Künstlerin zu sehen ist, können die Zuschauer spenden, das Geld wird unter den Künstlern aufgeteilt.

„Unterhaltung ist wichtig, auch und vor allem in diesen Zeiten“, sagt Schlönzke. „Abgesehen von den finanziellen Problemen wollen wir unterhalten, aber wir dürfen nicht. Also suchen wir nach Mitteln, es trotzdem zu tun.“ Neben der Samstags-Show überträgt Schlönzke auf Facebook zusätzlich jeden Sonntag um 19 Uhr eine Kochsendung.