An Einsicht und Verständnis mangelt es ja nicht. Wer wollte ernsthaft bezweifeln, dass erneut weitgreifende Maßnahmen zur Eindämmung des sich dramatisch erhöhenden Infektionsgeschehens getroffen werden müssen? Wie aber wird sich auswirken, was nun allein aus ordnungs- und symbolpolitischer Sicht den Charakter eines Machtwortes annimmt? Politiker in Not sind schon aus Selbstschutz um die Durchsetzung dessen bemüht, was sie gern klare Kante nennen.

Lockdown, Schließung und Kontaktverbot verheißen eine begriffliche Eindeutigkeit, die das seit Monaten formulierte und auch in wissenschaftlichen Studien untersuchte Bedürfnis nach differenzierten Umgangsweisen mit den Pandemiegefahren als Makulatur erscheinen lässt. Mit dem Virus lasse sich nicht verhandeln, sagen Virologen, und nicht wenige Politiker leiten daraus rigorose Verhaltensregeln ab. Die leise Hoffnung, dass sich doch noch eine Art gesellschaftliche Vernunft auf das alltägliche Verhalten niederschlagen möge, hat Pause. Ein Winter des verordneten Rückzugs steht unmittelbar bevor.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.