Der Schauspieler Robert Stadlober, 37, arbeitet gegenwärtig von Österreich aus.
Foto: Christian Schulz

In der fünften Woche daheim würde so mancher sicher die Spieleabend-Frage „Wo möchtest du gern einige Wochen eingesperrt sein? a) zu Hause, b)…“ zügig mit „B!“ beantworten. Sogar ohne zu wissen, wo genau das wäre – Hauptsache, nicht zu Hause! Gut möglich, dass es Neidattacken auslöst, wenn wir hier verraten, wo der Schauspieler Robert Stadlober gerade mit Frau und Töchtern wegen Corona festsitzt.

Sie warten nämlich nicht in ihrer Berliner Wohnung darauf, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt. Stattdessen haben sie sich ganz idyllisch mit Bergblick in einer Heidi-Roman-Seligkeit eingerichtet. Schon vor den Einschränkungen waren sie auf Besuch zu Stadlobers Vater in die Steiermark gereist und haben den Aufenthalt nun so lange verlängert, wie es nötig ist. Kein Ende in Sicht.

Vom Hörbuch bis zum Album

Robert Stadlober, dessen Familie in der Steiermark ihre Wurzeln hat und der Inhaber eines österreichischen Passes ist, stellt nun fest, dass sich sein Alltag dort gar nicht mehr wie Urlaub anfühlt: „Ich werde inzwischen mit Anfragen und E-Mails bombardiert.“ Und weil er gute Aufnahmetechnik dabeihat, kann der Schauspieler aus der Ferne sogar liefern, wofür er sich in Vor-Corona-Zeiten extra in ein Studio begeben musste: „Ich kann hier vom Hörbuch bist zum Album alles aufnehmen.“

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Die Haltung zur Krise hat sich bei Stadlober verändert. Wie die Antwort auf die Frage, wann er glaubt, unter den gegenwärtigen Umständen durchzudrehen: „Bis vor einigen Tagen dachte ich: morgen! Aber am Donnerstag hat mich eine gewisse Gelassenheit erreicht. Wenn ich an den Zustand der Welt denke, dann schwankt meine Gefühlslage allerdings weiterhin zwischen Sorge und Verwunderung.“

Der Platz am Herd ist umkämpft: Sowohl Stadlober wie seine Frau und sein Vater Kochen gern. Das sei „eine willkommene Abwechslung“. Wobei der Koch nicht immer vor Enttäuschungen sicher ist. Stadlober versucht gelegentlich, das Lieblingsessen seiner Kindheit auch seinen Kleinen nahezubringen: „Grießschmarr’n mit Mostsoße fand ich als Kind einfach nur großartig, meine Töchter wollen da seltsamerweise noch nicht ran.“

Als Schauspieler gehört Robert Stadlober zu den Mitarbeitern der Konservenindustrie. Was in Zeiten, in denen die Produktion ruht, den Vorteil hat, dass immer wieder Arbeiten der vergangenen Monate herauskommen, man also beruflich weiter präsent ist.

Wochenlanger Dreh im U-Boot für „Das Boot“

An diesem Freitag startet auf Sky die zweite Staffel der Serie „Das Boot“, für die sich der 37-Jährige wieder wochenlang in den Prager Barrandov-Studios in ein U-Boot-Modell zwängen musste. „Das hat im Vergleich zum echten U-Boot zwar die anderthalbfache Größe, da bei uns aber auch noch die Kamera mit reinpassen musste, blieb uns wahrscheinlich sogar weniger Platz.“ Stadlober hat keine Lust auf kriegsverherrlichende Rollen und gerade deshalb die in der Serie angenommen. „Wer sich diese Serie anschaut, verspürt anschließend definitiv keinen Drang mehr zu Krieg.“

Als Österreicher gehört er einem Volk ohne direkten Zugang zu einem Meer an. Und mit, vielleicht gerade darin begründeter, besonderer Faszination dafür: „Es gibt überdurchschnittlich viele Spitzensegler aus Österreich.“ Auch er war auf diesem Gebiet mal erfolgreich: „Ich wurde mehrfach Kärntner Jugendmeister. Allerdings kam ich bei Europa- und Weltmeisterschaften, für die ich mich qualifizieren konnte, meist nicht weit.“

Das lag daran, dass die auf Meeren ausgetragen wurden: „Ungünstig für mich, denn da werde ich schnell seekrank.“ Nur einmal gab es eine Ausnahme: „Bei einer Europameisterschaft in Israel gab es eine lange Flaute, was mir sehr entgegenkam. So schaffte ich es wenigstens einmal unter die ersten 30 …“