Wir stecken in dem Dilemma, dass wir uns vor dem Virus nur schützen können, wenn wir uns voreinander schützen: Jugendliche auf einer Demo in Berlin.
Foto: Ostkreuz/Sebastian Wells

Berlin - Zehn Jahre war ich alt. Ich war entsetzt. Mir völlig unbekannte Frauen küssten mich ab. So etwas kannte ich nicht. Ich floh. Wir waren in Spanien, und was ich erlebte, war die ganz gewöhnliche mediterrane Begrüßung. Ich empfand sie als einen sexuellen Übergriff. Mit einem Male war ich für „Abstandsregeln“, von denen ich bisher nichts gewusst hatte, weil sie einfach immer galten. Schon bald jedoch gewöhnte ich mich daran, rechts und links und links und rechts auf die Wangen geküsst zu werden oder auch nur Wange an Wange gedrückt zu werden. Eine Lektion in Kulturaustausch, in Integration.

Corona ist die Epoche von Social Distancing. Wir stehen einander im Abstand von eineinhalb Metern gegenüber. Wir sitzen zu kaum mehr als einem Dutzend in einem riesigen Raum. In Ausstellungen, Theatern, Konzerten gibt es kein Gedränge mehr. Wir haben das Massenzeitalter hinter uns gelassen. Das ist natürlich sehr übertrieben. Denn in einem Jahr kann das alles wieder vorbei sein. Bis zur nächsten Pandemie.

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