Menschen mit Schutzmaske unterhalten sich.
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In Gesprächen mit Bekannten ist jetzt viel von dem   exponentiellen Ansteigen der Infektionskurve die Rede, wie es von Corona-Experten vorhergesagt und von unsereinem befürchtet wird. Mit dem Phänomen des exponentiellen Wachstums habe ich mich zuletzt im Abitur befasst, und das ist lange her. Diagramme mit entsprechend steil ansteigenden Kurven sind jetzt auf allen Kanälen zu finden, ein Blick genügt, um die Dramatik des Prozesses zu erfassen. 

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Unterhaltungen zur Zeit fast ausschließlich um den Umgang mit dem Virus drehen und zu bemerken ist dabei schon mal die exponentielle Zunahme von Virologen in meinem persönlichen Umfeld. Ob Familie oder Freundeskreis, jeder hat zu dem Thema eine dezidierte Meinung. Wer hätte gedacht, dass man im Small Talk   mal ernsthaft über die „Durchseuchung der Bevölkerung“ sprechen würde. Und das in einem Ton der inneren Überzeugung, wie man zu normalen Zeiten vielleicht die Aufstellung der Fußballnationalmannschaft diskutieren würde. Da gibt es ja traditionell auch sehr viele Bescheidwisser.

Profilierungssucht und Wichtigtuerei

Das Expertentum unter interessierten Laien greift  zur Zeit jedenfalls schneller um sich als das Virus, was rein epidemiologisch betrachtet eine gute Nachricht ist. Nun gibt es aber nicht nur die mitunter vehement vorgetragenen Corona-Expertisen von Freunden und Kollegen, hier und dort werden die ersten  professionellen Stimmen laut, die die bisherigen Erkenntnisse der Forscher in Frage stellen. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis den Klimaleugnern die Coronaleugner folgen würden.  Ihnen geht es, soweit sich das beurteilen lässt, nicht nur um die bewusste zweite Meinung, die in medizinischen Fragen   generell einzuholen ist. Zu befürchten ist, dass hinter solchen Wortmeldungen  Eitelkeiten, Profilierungssüchte und Wichtigtuerei stecken.  Soll man sich damit nun auch noch beschäftigen? Es ist eine Frage des Vertrauens.