Das Haus der Berliner Festspiele. Zur Zeit wird es als Veranstaltungsort nicht genutzt.
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BerlinBei jedem wird in Bezug auf diesen Virus, den wir, weil wir wirklich langsam sauer sind, namentlich nicht erwähnen, die Stimmung an einem anderen Punkt abkippen. Bei den sieben Mitgliedern der Theatertreffenjury dürfte dies spätestens am Montag um 13.52 Uhr der Fall gewesen sein, als die Berliner Festspiele das diesjährige Festival abgesagt haben: „Im Zusammenhang mit der Eindämmung einer weiteren Verbreitung des [...] können das diesjährige 57. Theatertreffen (1. bis 17. Mai) – inklusive des Stückemarkts, des Internationales Forums sowie aller Preisverleihungen und Public Viewings – und das 41. Theatertreffen der Jugend (22. bis 30. Mai) leider nicht stattfinden.“ 

Es ist in der ruhmreichen (und nicht frustarmen) Geschichte dieses Festivals das erste Mal. Der Hauptgrund ist, dass der schon in normalen Jahren an den Irrsinn grenzende Vorbereitungssprint, der mit der Juryverkündung im Februar eröffnet wird, unter den Umständen einfach nicht zu schaffen ist.

Verflucht sei C.

Eine ganze Saison waren die Sieben nun also umsonst durch die deutschsprachigen Lande gereist, um die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aufzuspüren. Wir grüßen! Ganz zu schweigen von den Erwählten, die sich nun nicht in Berlin präsentieren können, wobei tröstend anzumerken ist, dass die Kür schon eine Auszeichnung für sich ist und es schon einige Produktionen gegeben hat, denen man den Auftritt in Berlin doch lieber erspart hätte.

Der Biorhythmus der gesamten Theater- und Kulturjournalismusbranche ist spätestens mit dieser Entscheidung aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Festival kurz vor der Sommerpause ist stets mit einem Schlussspurt vor Saisonende verbunden, der zugleich die Möglichkeit bietet, ein Bühnenjahr Revue passieren zu lassen. Wird man die Sommerpause, diese ersehnte jährliche Phase im Kritikerleben, überhaupt genießen können? Hat sie etwa schon angefangen? Verflucht sei C.