Kenny Rogers.
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BerlinDie Basslinie eines seiner größten Hits erinnert an den Sound Johnny Cashs, aber als „Ruby, Don’t Take Your Love To Town“ 1969 erschien, hatte Kenny Rogers und seine Band The First Edition diese klangliche Anspielung auf den größten Countrystar aller Zeiten nicht mehr nötig. „Ruby“ handelt von einem verletzten Kriegsheimkehrer, dessen Ehe an seiner Versehrtheit zerbricht. Ruby verlässt das Haus, obwohl er sie inständig bittet, es nicht zu tun.

Das Stück war ein politisches Statement aus der Country-Szene, die bis dahin als konservativ und patriotisch galt. Kenny Rogers aber sang von einem Patrioten, der durch einen Krieg für sein Land seine bürgerliche Existenz verloren hatte. Kenny Rogers‘ mit sanft-tiefer Reibeisenstimme gesungenes Lied konnte zu einem großen Hit werden, weil ein pazifistisches Grundbedürfnis längst auch das konservative Amerika erfasst hatte.

Die alte Aufteilung, dass Country-Musik die Gefühlslage des rechten Amerika repräsentiere, galt nicht mehr. Kenny Rogers, Kris Kristofferson und Willy Nelson machten Country in alle Richtungen anschlussfähig, unter Musikern hatte die scharfe Trennlinie ohnehin nie gegolten, wie etwa die Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Bob Dylan und Johnny Cash zeigte.

Kenny Rogers wurde 1938 in Houston, Texas geboren und versuchte sich zunächst als Rock-‚n‘-Roller, bevor er sich nach einer Phase als Jazzmusiker dem Country-Genre zuwandte. Seine musikalische Vielseitigkeit verlieh seinem Sound eine Offenheit, die durch Rogers‘ Stimme zugleich einen unverwechselbaren Charakter erhielt.

Die feine Ironie des Songschreibers Kenny Rogers

Die 70er-und 80er-Jahre waren Kenny Rogers‘ erfolgreichste Zeit. Mit Hits wie „Love Lifted Me“ und „Lucille“ verließ er das Segment der Country-Charts, in der Version von Michael Holm zog „Lucille“ 1977 sogar in die deutsche Schlagerwelt ein. Die Eingangszeile von „Lucille“ – You picked a fine time to leave me, Lucille” – sagt aber auch einiges über die feine Ironie des Songschreibers Kenny Rogers, der nicht auf die Rolle des Melodramatikers festgelegt werden wollte. Seiner Rolle als herausragender Unterhaltungskünstler aber war er sich sehr bewusst. Seine große Beliebtheit beim Publikum erklärte er einmal damit, dass seine Lieder ausdrückten, „was jeder Mann sagen will und Frauen gerne hören.“

Kenny Rogers‘ Beliebtheit unter Kollegen ist schon durch die enorme Bandbreite an Kooperationen verbürgt. Mit Dolly Parton sang er ein Duett, Michael Jackson wirkte einmal als Backgroundsänger mit, und zusammen mit Lionel Richie versuchte er sich in den 8oer-Jahren an einer Soundauffrischung. Eine lange Zusammenarbeit verband ihn mit Kim Carnes, deren „Bette Davies Eyes“ zu einem Welterfolg wurde. Lionel Richie und Kris Kristofferson waren auch bei seinem Abschiedskonzert 2017 mit von der Partie. Eine im Anschluss geplante letzte Tournee kam aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zustande.

Am Freitag, heißt es aus dem Umfeld seiner Familie, sei Kenny Rogers friedlich in seinem Haus in Sandy Springs, Georgia im Alter von 81 Jahren eingeschlafen.