Es war eine gewisse Ironie des Schicksals, dass auf der aktuellen Titelseite der französischen Wochenzeitung Courrier international in der obersten Zeile zu lesen war: „Warum der Shutdown nicht auf uns zukommt“. Dass diese Situation nun doch eintritt, haben die Blattmacher wohl nicht geahnt. Courrier international wird rund ein Drittel seiner Stellen abbauen müssen. Nach Informationen des Wirtschaftsblatt Les Echos wurde der Belegschaft ein Sozialplan präsentiert, der die Entlassung von 23 Redakteuren vorsieht. Vom Stellenabbau betroffen sind sowohl die Internetseite Presseurop als auch die Wochenzeitung selbst.

Auswirkungen auf alle

Courrier international ist eine überaus angesehene Wochenzeitschrift in Frankreich, die vor allem im bildungsbürgerlichen Milieu gelesen wird und Artikel aus aller Welt ins Französische übersetzt. Das Blatt hatte von der EU-Kommission jährlich 2,5 Millionen Euro für die Internetausgabe Presseurop erhalten. Der Dienst bietet eine Presseschau in verschiedenen Sprachen an. Die Subventionen sorgten vor allem in der angelsächsischen Presse für Unmut. Verschiedene Blätter witterten Wettbewerbsverzerrung und sahen darin ein Propagandainstrument der EU. Aufgrund der Brüsseler Sparzwänge wird dieser Zuschuss nun ersatzlos gestrichen. Die bislang subventionierte Internetseite Presseurop wird eingestellt, die Online-Redaktion, bestehend aus elf Redakteuren, aufgelöst.

Der Wegfall der 2,5 Millionen Euro hat Auswirkungen auf den gesamten Verlag. Bei der Print-Redaktion sollen insgesamt zwölf Stellen abgebaut werden. Die Nachricht von der Kündigung hat Entsetzen in der Redaktion ausgelöst. In einem offenen Brief an die Unternehmensleitung hat der Betriebsrat darauf hingewiesen, dass Courrier international seit zwölf Jahren schwarze Zahlen schreibe. „Die gesamte Belegschaft wird gegen dieses Projekt mobilisiert, das die Zukunft unserer Zeitung auf Spiel setzt“, heißt es in dem Schreiben.

Die Wochenzeitung ist wie viele Titel in Frankreich vom Rückgang der Anzeigen und Abonnements betroffen. Die Auflage schrumpfte 2012 um 6,86 Prozent auf 182 056 Exemplare. Gleichwohl: Auch in diesem Jahr wird die Bilanz ein leichtes Plus ausweisen. Die Digitalabonnements sind in einem Jahr um 40 Prozent auf nunmehr 7 000 gestiegen. Der Zeitung geht es verglichen mit der Konkurrenz relativ gut. Trotzdem muss gespart werden.

Tageszeitungen wie die linksliberale Libération dagegen haben unter starken Auflagenrückgängen zu kämpfen und mussten in der Vergangenheit immer wieder Redakteure entlassen. Courrier international trotzte diesem Trend. Das Erfolgsrezept: der originelle Blickwinkel. Seit ihrer Gründung 1990 wartete die Wochenzeitung immer wieder mit innovativen Titelgeschichten auf und hob sich damit vom medialen Einheitsbrei ab. Die Leser honorierten diese Ausrichtung.

Shutdown angekommen

„Die Zeitung befindet sich in guter Verfassung“, erklärte Antoine Laporte, Präsident des Direktoriums. Die Einstellung der EU-Subvention schwäche aber die Struktur von Courrier international. „Wir sind gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und unsere Investitionskapazitäten in Zukunft zu sichern“, so Laporte. Bei der Redaktion kommt der Plan überhaupt nicht gut an. Die Mitarbeiter traten vergangenen Freitag in einen Warnstreik. Der Shutdown ist nun auch bei der Zeitung angekommen.