"Creep Magnet Tour": Beatsteaks bringen Berlin zum Beben

Als der Vorhang mit dem Totenkopf fällt, gibt es kein Halten mehr: Aus den Schatten der Beatsteaks-Mitglieder werden reale Figuren, die in der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg das erste von zwei ausverkauften Berlin-Konzerten ihrer "Creep Magnet Tour" geben. Für die 1995 in Berlin gegründete Alternative-Rock-Band ist es ein Heimspiel.

"Haltung bewahren Jungs, wir spielen vor Familie", sagt der Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, der sein Markenzeichen, einen schwarzen Hut, trägt. "Da muss man erst drei Wochen unterwegs sein, um das zu erleben!" Zuletzt waren die sympathisch bodenständigen Musiker Anfang Oktober im SO36 aufgetreten, aber auch eine große Halle füllen sie spielend.

Los geht es mit ihrem Song "Up on the Roof" vom neuen Album "Beatsteaks", und einem herzlichen Hallo an die "Zuspätkommer" - immerhin ist das Konzert am Donnerstag der Zusatztermin für alle Fans, die für den Freitag keine Karten mehr bekommen hatten.

In den ersten Reihen sieht man viele tätowierte Männer mit Kreuzberg-Shirts, die von der ersten Minute an im Takt hüpfen, ausgelassen Pogo tanzen (wobei sie es kurioserweise schaffen, trotz dicht gedrängter Zuschauermassen ein Loch in der Menge zu bilden), Bierbecher mit Beatsteaks-Aufdruck auf die Bühne werfen und sich auf Händen durch die Menge tragen lassen.

Der Punk gehört zu DNA der Beatsteaks, genau wie Berlin, und so singen sie im Song "DNA": "These streets are mine, the city walls will keep us warm".

Zu ihrer Single "Gentleman of the Year" glitzert ein überdimensionaler Kronleuchter aus LED -Lichtern über der Bühne. Dann wird es besinnlich: "Hello Joe" vom Album "Smack Smash" widmet Teutoburg-Weiß dem kürzlich verstorbenen Radioeins-Musikchef Peter Radszuhn.

Und dann ruft der berlinernde und bereits heisere Sänger noch etwas ins Publikum, das man viel öfters auf Konzerten sagen sollte: "Hey du mit dem Handy, lass' die Welt doch mal für zwei Stunden draußen - einfach loslassen."

Seine vier Bandmitglieder stellt er jeweils mit ihrem Heimat-Bezirk vor: Neukölln, Friedrichshain und zweimal Treptow. Er selbst widmet als Ost-Berliner auch dem 1. FC Union Berlin ein Lied ("Make a Wish"), erntet dafür allerdings viele Buhrufe.

Es folgen Hits wie "Cut off the Top", "Boom Box" und "I don't care as long as you sing" - die Halle bebt. Tatsächlich springen selbst die Zuschauer auf den Sitzplatzrängen (sitzen will hier aber niemand) so heftig auf und ab, dass der Boden wackelt. Als eine von vielen Zugaben gibt es eine Cover-Version von Stings "So lonely". Was für eine großartige Stimmung!

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"Das ist das schönste Zusatzkonzert, das wir je gespielt haben", sagt Teutoburger-Weiß am Ende glücklich, schwenkt eine Fahne der Antifa und schießt Luftschlangen aus einer Kanone auf die Zuschauer. In Block U schwebt ein aufgeblasenes Kondom durch die Reihen.

Selbst als die Band zwischenzeitlich schon von der Bühne gegangen ist, tanzen die Konzertbesucher zum Hiphop-Song "Jump around" aus dem CD-Player weiter. Viele würden gerne einfach bis zum Freitagabend hier bleiben, wenn die Beatsteaks wieder spielen werden. Immerhin haben sie angekündigt, die Show noch toppen zu wollen.