Früher schrieben fast alle Mädchen Gedichte. Anders als heute hielten sie es eher geheim. Vertrauten die Verse über Liebe, Schmerz und Herbsteszeit ihren Tagebüchern an. Auch in Czernowitz gab es ein solches Mädchen, sie hieß Selma, ihr Vater Max betrieb ein Schuhgeschäft, die Mutter Frieda kämpfte mit Selmas widerspenstigem Haar und zitierte Itzik Manger.

Wie ihr Cousin Paul Antschel, später bekannt als der Dichter Paul Celan, besuchte Selma das rumänische Gymnasium, lernte Sprachen und liebte sie. Mit feinem Gehör begabt, übersetzte sie ein Regengedicht von Paul Verlaine ins Deutsche, ihre Muttersprache, und schrieb dann selber eins: „Ich bin der Regen, und ich geh’ / barfuß einher von Land zu Land. / In meinen Haaren spielt der Wind / mit seiner schlanken, braunen Hand.“

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