Film: Was tun, wenn es brennt?

Der Regisseur Roberto Minervini wollte in Louisiana eigentlich eine Dokumentation über die Musik der 1930er-Jahre drehen. Dann sah er sich dort mit der allgegenwärtigen Gewalt gegen Schwarze konfrontiert und änderte seine Pläne. So entstand der Dokumentarfilm „What you gonna do when the world’s on fire?“. Minervini konzentrierte sich auf einige wenige Protagonisten, er zeigt sie in Schwarz-Weiß-Bildern, kommt ihnen nah.

Er trifft da etwa die Barbesitzerin Judy Hill, sie steht im Zentrum des Films. Indem sie ihr Leben erzählt, reflektiert sie ihre Rolle als schwarze Frau in der US-Gesellschaft. Der Film aus dem Jahr 2018 zeigt die New Black Panther Party For Self-Defense in New Orleans, die versucht, die Nachbarschaft für Protestaktionen zu mobilisieren und praktische Hilfe anzubieten.

Und er verbringt Zeit mit dem 14-jährigen Ronaldo, der seinen jüngeren Bruder Titus auf das Leben vorbereitet – etwa auch durch Boxunterricht und Lektionen darüber, was es bedeutet, Schwarz zu sein. Der Filmtitel geht übrigens auf den gleichnamigen Song des legendären Musikers Lead Belly zurück. Der Film läuft im Rahmen des Sommerfestivals Wassermusik auf der Dachterrasse des HKW, davor gibt es zwei Konzerte: Es spielen Youngblood Hart’s Muscle Theory und Leyla McCalla. Susanne Lenz

Wassermusikfestival im HKW: Samstag, 6. August, 19 Uhr: Alvin Youngblood Hart’s Muscle Theory, 20.30 Uhr: Leyla McCalla, 22 Uhr: „What you gonna do when the world’s on fire?“

Performance: „Bad Bitches do cry“ im Schinkel-Pavillon

Im Rahmen der Performance-Reihe „Disappearing Berlin“ lenkt der Schinkel-Pavillon den Blick seit längerem auf besondere Räume Berlins. Räume, die vom Verschwinden bedroht oder im Wandel begriffen sind. So soll erprobt werden, ob und wie Kunst sich in Stadtpolitisches einbringen und zu mehr urbanem Bewusstsein beitragen kann. „Disappearing Berlin“ bespielte etwa den brutalistischen Mäusebunker in Steglitz, den leer stehenden Supermarkt an der Jannowitzbrücke, oder – gemeinsam mit dem Komponisten Billy Bultheel und der Künstlerin Viviana Abelson – das jüngst neu sanierte Kreuzberger Spreewaldbad. Für letzteres verwandelten die Performer das Profane des Wellenbads in eine unheimliche Kunstkirche.

Performer Richard Kennedy
Jose Cuevas
Performer Richard Kennedy

Das neueste Event von „Disappearing Berlin“ findet am Wochenende im Außenbereich des Schinkel-Pavillons selbst statt: „Bad Bitches do cry“. Inwiefern dabei geweint wird – oder eben nicht – lässt sich vorab schwer voraussagen. Mit dabei sind, unter anderem, Richard Kennedy – Künstler, Komponist und Librettist. Kennedys multidisziplinäre Praxis konzentriert sich auf die Disruption der Traditionen westlichen Theaters. Kennedy arbeitet unter anderem mit Malerei, Video und Performance und versucht, durch die Verschränkung verschiedener Formen neue Möglichkeiten queerer, afroamerikanischer Erfahrung aufzuzeigen.

Ein DJ-Live-Set soll es am Samstagnachmittag ebenfalls geben. Vom DJ-Duo Dmitra und Soraya, die Bass-lastige Clubtracks mit ansteckenden Vocal-Hooks paaren. New Yorker und Londoner Soundsysteme sind die Haupteinflüsse für die in Berlin lebenden Musiker. Wer dabei sein will, sollte sich auf die ein oder andere Überraschung gefasst machen und für alle Fälle eine Decke mitbringen. Das von Marie-Therese Bruglacher and Annina Herzer organisierte Jubiläums-Programm läuft von 16 Uhr nachmittags bis nachts. Hanno Hauenstein

Schinkel-Pavillon & Disappearing Berlin: „Bad Bitches do cry“. Zur Registrierung geht es unter: www.schinkelpavillon.de

Kunst: Gropius-Bau zeigt Henrike Naumanns Kunst aus Kiew

Die gebürtige Zwickauerin, Jahrgang 1984, beweist, was mit weniger Fantasie gesegnete Zeitgenossen  wahrscheinlich für unmöglich halten. Die Installationskünstlerin spricht durch Möbel über Politik und (deutsche) Geschichte, über NS-Zeit, deutsche Teilung, Wiedervereinigung. Und auch über Neonazis und Reichsbürger. Für sie sickern die Geschichten durch Schrankwände, sie kommen aus Couchtischen, Stühlen, Hockern und Designobjekten. All das stöbert sie bei Haushaltsauflösungen oder im Internet auf, kauft über Ebay Dinge, die die Leute loswerden wollen, an denen aber auch mannigfache Erinnerungen hängen. Für Naumann sind sind diese Materialien Informationsquellen, Zeitzeugen, metaphorische Artefakte. In den letzten Jahren hat sie damit einen Nerv getroffen und eine steile Karriere hingelegt: große Ausstellungen, Documenta-Teilnahme, demnächst ihre erst USA-Einzelschau in Queens.

Wenn Möbel Geschichten erzählen: Hendrike Naumanns Installation „2000“ ist zurück aus Kiew.
H.Naumann/Gropius Bau
Wenn Möbel Geschichten erzählen: Hendrike Naumanns Installation „2000“ ist zurück aus Kiew.

Als am 24. Februar die ersten russischen Granaten und Raketen auf ukrainischem Territorium einschlugen, war Naumanns Möbel-Video-Installation „2000“ gerade im Pinchuk Art Centre in Kiew ausgestellt. Die Museumsleute hatten gewiss ganz andere Sorgen, aber sie setzten alles daran, diese Installation nach Berlin zurückzutransportieren. Im Gropius-Bau, dem Ausstellungshaus der Berliner Festspiele, setzten die Künstlerin und Helfer die für den abenteuerlichen Transport zerlegten Teile jetzt wieder zusammen. Nun ist das Werk bis Sonntagabend zu sehen, ehe es wieder auf Reisen geht, über den Großen Teich. Ingeborg Ruthe

Henrike Naumann: „Back Home“; Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7. Tgl. bis So, den 7. August, 10–19 Uhr. Eintritt frei

Kunst-Konzert: „Sound in the Garden“ im Skulpturengarten

In der Neuen Nationalgalerie gibt es nicht nur die Kunst der Moderne mit ihren Avantgarden und den Brüchen des 20. Jahrhunderts zu sehen. Der schöne Skulpturengarten des Architekten Mies van der Rohe ist auch ideal für Konzerterlebnisse: An den kommenden fünf Wochenenden vom 6. August bis 4. September gibt es zwischen den Skulpturen von Bernhard Heiliger, Henri Laurens und René Sintenis und den neu gepflanzten Bäumchen und Stauden Musik zu hören. „Sound in the Garden“ knüpft an die Reihe „Jazz in the Garden“ an, die in den 1970er-Jahren bis Mitte der 1980er-Jahre im damaligen West-Berlin geradezu legendär  war.

Beschaulicher Kunstort und meditativer Klangraum für Musik: der Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie.
Ludwig Mies van der Rohe/VG Bild-Kunst, Bonn 2022/Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker
Beschaulicher Kunstort und meditativer Klangraum für Musik: der Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie.

Musikerinnen, Musiker und Bands verschiedenster Stile und Genres verbinden ihre Auftritte mit den auf Sockeln ruhenden Bronzen und Stein-Bildwerken und den Bildern und Skulpturen der Schau „Die Kunst der Gesellschaft“. Ihre Musik tritt in den Dialog mit Kunst von 1900 bis 1945. Die Konzerte dauern nur etwa 45 Minuten. Zudem sind freitags und samstags von 18 bis 22 Uhr die Sundowner-Bar sowie die Schau „Barbara Kruger. Bitte lachen/Please cry“ in der oberen Halle geöffnet. Ingeborg Ruthe

„Sound in the Garden“, Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str. 50, Einlass 19 Uhr. Am Samstag, 6. August, tritt die Sängerin Alice Martin auf. Tickets für Konzert & Ausstellung online: www.smb.museum/veranstaltungen