Fump! Fump! Fump! So wird mit jedem neu einschlagenden Bass die Luft aus den Lungen und Hirnen der Hörer gesogen, dazu heulen Sirenen und schwirren giftige kleine Fieptöne tief durch den niedrigen Saal, ein gewaltiger Sturm erhebt sich von der Bühne, zwei DJs und Laptopbediener malträtieren wie im Wahn ihre Geräte, nur der kräftige schlecht gelaunte Sprechgesangskünstler in ihrer Mitte trotzt allen widrigen Winden und rappt vor einem sich stetig weiter verfinsternden Himmel von Rassismus, Ausbeutung, Unterdrückung und der Wut, die all das entfacht: „Come storm here to stay“, heißt es in dem Klassiker „Asylum (Permanent Underclass)“, den Dälek gleich zu Beginn ihres fabelhaften Comeback-Konzerts am Sonnabend in der Berghain Kantine spielen.

Von Mitte der Neunzigerjahre bis 2010 gehörte die Crew aus New Jersey um den MC Dälek und den Produzenten The Oktopus zu den Pionieren eines aggressiv-kalten Rap, der Industrial und Metal ebenso viel verdankte wie dem klassischen HipHop und Funk – ein Sound, der aus dem Underground inzwischen in erstaunlicher Weise in die Sphäre von Hitparaden-Großkünstlern wie Kanye West emporgestiegen ist.

Jetzt, da Dälek nach fünf Jahren Pause als Trio auf die Bühne zurückkehren, wirken sie darum hoch aktuell; zugleich haben sie nichts eingebüßt an jener Kraft und jenem Verausgabungs- und Verschwendungswillen, mit denen sie ihre Hörer schon vor fast zwanzig Jahren beglückten. Am Ende ihres Auftritts sind die Ohren taub, aber die sonstigen Sinne wach und geschärft, und MC Dälek lässt sich regungslos von jenem Orkan umtosen, der ihn nie fortwehen wird.