Foto:  Egmont Ehapa Media

Berlin Als Trickfilmzeichner und Micky-Maus-Erfinder Walt Disney 1966 starb, stand die Berliner Mauer bereits seit fünf Jahren. Dass sie eines Tages verschwinden würde, hätte er bestimmt zu Lebzeiten nicht für möglich gehalten. Schon gar nicht, dass seine Helden aus Entenhausen diesen historischen Moment miterleben würden. Doch als vor 30 Jahren in Berlin die Mauer fiel, waren auch die Disney-Stars dabei: Donald Duck und Co. mitten im damaligen Freudentaumel der Menschen aus Ost und West. Möglich macht es ein Comic zum Mauerfall-Jubiläum.

Windige Geschäfte

Die Bildergeschichte wurde gerade im aktuellen Micky-Maus-Heft des Berliner Egmont-Ehapa-Verlages veröffentlicht. Die Idee dahinter: „Wir wollen unseren Lesern, die zwischen acht und zwölf Jahre alt sind, mit diesem Comic einen Anstoß geben, sich mehr mit diesem Ereignis zu beschäftigen“, sagt Micky-Maus-Chefredakteur und Mitautor Marko Andric. „Momentan wird viel über den 30. Jahrestag des Mauerfalls berichtet. Kinder haben vielleicht aus Erzählungen der Eltern oder aus der Schule davon gehört. Doch sie können sich kaum ein Bild davon machen, was damals passiert war.“

Quelle:  egmont ehapa media/disney  
Quelle:  egmont ehapa media/disney 

Dafür sorgt nun Onkel Dagobert, der sich in dem Comic auf insgesamt 45 Bildern an den Mauerfall erinnert. Wie er mit Donald Duck und dessen Neffen einen Tag danach Ost-Berlin besucht. Sie sind dabei, wie von allen Seiten die Menschenmassen zum Brandenburger Tor strömen und freudig rufen: „Die Mauer ist weg!“ Auf ihrer Autofahrt durch die Stadt treffen die Entenhausener immer wieder auf jubelnde Berliner: vorm Roten Rathaus, am Alliierten-Grenzübergang Checkpoint Charlie oder dem Palast der Republik. Vor dem Palast, der auch Sitz des DDR-Parlamentes, der Volkskammer, war, mutmaßen Donald Duck und seine Neffen, dass dort die Politiker mit dem Mauerfall „ein wenig überfordert sind“. Was sie in der Tat waren, wie man später aus Berichten der einstigen Abgeordneten erfuhr.

Bald stellt sich heraus, warum der als geldgierig bekannte Onkel Dagobert zum Mauerfall angereist ist. „Grenzenlose Geschäfte“, so der Comic-Titel, will er machen. Etwa den Fernsehturm durch einen neuen ersetzen. Doch Dagobert scheitert. Als er bei einem Spaziergang durch ein Wohnviertel erklärt, dass man aus den „baufälligen Häusern wahre Juwelen machen kann“, kontert ihm ein Ost-Berliner: „Billig koofen und teuer verkoofen? Kein Bedarf!“

Donald will die Mauer

Die Szene bauten die Autoren nicht grundlos in den Comic ein. „Sie spiegeln den damaligen Zeitgeist wieder“, so Chefredakteur Andric. „Denn mit dem Mauerfall kamen tatsächlich auch so manche Geschäftsleute aus dem Westen, um mit dem Osten Geld zu verdienen.“

Quelle: egmont ehapa media/disney  

Ein Jahr arbeiteten die Macher an dem Comic. Star-Zeichner Marco Rota schuf anhand von Fotos aus dem Jahr 1989 die stimmungsvollen Mauerfall-Bilder. Für die Story musste sich Egmont die Erlaubnis vom Lizenzgeber Disney holen. „Ein Grund, warum die Geschichte erst einen Tag nach dem Mauerfall spielt. Disney hätte sicher keinen Donald Duck gewollt, der am 9. November auf der Mauer tanzt“, sagt Andric.

Quelle: egmont ehapa media/disney

Der Grund, warum man sich in Entenhausen an den Mauerfall erinnert, ist Donald: Er will auch eine Mauer errichten, um sich von seinem nervigen Gartennachbarn abzugrenzen. Ein Bauamtsbeamter eilt herbei, der das Vorhaben mit dem berühmten Wort beendet, das vor 30 Jahren die Grenzen in Deutschland öffnete: Die Mauer müsse weg, sagt er und ergänzt wie einst SED-Funktionär Günter Schabowski: „Unverzüglich!“

Micky Maus-Magazin (Ausgabe Nr. 23/2019), Egmont Ehapa Media, Berlin 2019, 52 Seiten, 3,99 Euro.