Um das Humboldt-Forum, seine nachgebauten Schlossfassaden und die Ausstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte Asiens, Afrikas, Nord- und Südamerikas, des Pazifikraums und Australiens, aber auch Europas ist viel gestritten worden. Kaum bekannt ist indes, dass von den Beständen vor allem des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst dort allenfalls fünf Prozent ausgestellt werden. Was geschieht mit den restlichen 95?

Stiftung Preußischer Kulturbesitz will Räume in Dahlem als „Forschungscampus“ nutzen

Für deren Zukunft will nach Informationen der Berliner Zeitung der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, am Donnerstag dem Stiftungsrat ein Konzept vorlegen: Die seit den 50er-Jahren bis 1972 erweiterten Museumsbauten in Dahlem sollen demnach zum „Forschungscampus“ werden, mit den Werkstätten, den Restaurierungsateliers, Büros und Verwaltungen, vor allem aber den großen Depots. Ebenfalls einziehen soll hier die bisher in Charlottenburg gezeigte Abgusssammlung der Freien Universität. Sie käme zu den Abguss- und Abformungsbeständen in den Museen nichtwestlicher Kulturen hinzu. Schließlich entstünde hier Raum für eine neue Bibliothek als Zentrum des Forschungscampus’. Sie soll aus den vereinigten Beständen der Museumsbibliotheken und jener des Instituts für Museumswesen gebildet werden. Nachdem die Niederländer in einem Akt wissenschaftlicher Selbstkastration die Bibliothek des Tropen-Instituts in Amsterdam vor einigen Jahren verkauft haben, könnte in Dahlem etwas weltweit Führendes entstehen.

Laut eines Raumverteilungskonzepts, das der Berliner Zeitung vorliegt, reichen die vorhandenen Bauten gerade aus, um die etwa 550.000 Nummern umfassenden Sammlungen endlich angemessen verwahren zu können. Derzeit sind die Bestände im Magazinbau regelrecht zusammengepfercht, das zudem schon seit mehr als einem Jahrzehnt nur mit immer neuen Sondergenehmigungen der Feuerwehr betrieben werden darf. Ob es neu gebaut werden muss, lässt das Konzept offen. Die Räume darin sind aber viel zu eng für die Sammlungen. Außerdem sollen endlich die oft in jeder Hinsicht großen Bestände des Museums Europäischer Kulturen aus dem Bau umgelagert werden, der dem Geheimen Staatsarchiv gehört, das damit seine Notmagazine im Moabiter Westhafen aufgeben könnte.

Dahlem kann zum zweiten Standort des Humboldt-Forums werden

Neu errichtet werden soll lediglich ein Gang, der in direkter Linie durch die beiden Innenhöfe die Eingänge an der Takusstraße und an der Arnimallee miteinander verbindet. Vorgesehen sind Proberäume für die Museen und Schaudepots. Nicht vorgesehen ist allerdings die vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf erhoffte Mitnutzung dieser Bauten für lokale Initiativen und Kunstausstellungen. Allenfalls in den Proberäumen könnte sie befriedigt werden. Doch welche Rechtfertigung gäbe es eigentlich für den Bund und die anderen Bundesländer als den Trägern der Preußen-Stiftung, derlei lokale Interessen zu bedienen? Schließlich beteiligt sich Berlin auch nicht an der Finanzierung von Kulturzentren etwa in Rostock oder Sindelfingen.

Der Begriff Forschungscampus Dahlem und nicht etwa Humboldt-Zentrum oder so ähnlich ist auch Teil einer Selbstbehauptungsstrategie der Staatlichen Museen: Die neue Betreiber-GmbH des Humboldt-Forums wächst derzeit mit politischer und finanzieller Unterstützung durch den Bund deutlich. Obwohl sie nur die Veranstaltungen organisierten sollte, werden inzwischen auch Wissenschaftler und Fachleute für Ausstellungswesen, Ethnologie und Asiatische Kunst eingestellt. Die Staatlichen Museen als Besitzer der Sammlungen, die im Humboldt-Forum ausgestellt werden sollen, leiden dagegen weiter unter viel zu geringen Betriebsetats. Nicht einmal die wenigen Restauratoren- und Forscherstellen, die für die Vorbereitung des Umzugs frei gemacht wurden, sind auf Dauer gesichert.

Immerhin: SPK-Chef Hermann Parzinger schließt sich mit seinem Konzept endlich jenen Mitarbeitern an, die schon bei der Konzeption des Humboldt-Forums um 2001 herum sagten: Lasst uns Dahlem zum zweiten Standort des Humboldt-Forums machen. Bisher stand dem die Planung eines Zentraldepots in Friedrichshagen im Weg, die bis in die 1990er-Jahre zurückreicht – also in die Zeit vor der Konzeption des Humboldt-Forums. Deswegen wurde das Projekt Friedrichshagen intern seit spätestens 2001 immer wieder kritisiert, weil dort jene Bauten erst errichtet werden müssten, die in Dahlem vorhanden sind. Zudem hätten zeitraubende Wege zwischen den Ausstellungen und dem Arbeitszentrum der Museen zurücklegt werden müssen, und die Forschenden in den Universitäten wären buchstäblich von ihrem Material abgehängt worden.

Warum werden nicht auch andere Depots nach Dahlem umgelagert?

Kurz: Es gibt kein halbwegs einleuchtendes Argument, an den Planungen für Friedrichshagen festzuhalten, außer dem, dass ein Neubau einmal beschlossen wurde. Allerdings gibt es unter den Mitarbeitern der Preußenstiftung durchaus auch Kritik an Parzingers neuem Konzept, das ihrer Ansicht nach zu kurz greift.

Bisher sollen in Dahlem nur diejenigen Sammlungen konzentriert werden, die schon dort sind. Warum nicht gleich ganze Sache machen und auch die Bestände vor allem der archäologischen Sammlungen, aber auch Depots der Nationalgalerie hierher umlagern, den ganz großen Forschungscampus, etwas wirklich Neues wagen und nicht nur die Fortsetzung des Bestehenden?