Dakota Johnson ist die Tochter von Don Johnson und Melanie Griffith.
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BerlinAls Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson wuchs Dakota Johnson praktisch an Filmsets auf, für ihren Stiefvater Antonio Banderas stand sie als Neunjährige erstmals für den Film „Crazy in Alabama“ vor der Kamera. Später scheiterte sie zwar bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule, begann aber vor zehn Jahren mit „The Social Network“ doch ihre eigene Karriere. Dank der „Fifty Shades of Grey“-Trilogie ist die 30-Jährige inzwischen längst ein Star, der mit Filmen wie „Suspiria“, „Bad Times at the El Royale“ oder „The Peanut Butter Falcon“ auch ein Händchen für kleinere, anspruchsvolle Filme bewiesen hat. Anlässlich der Komödie „The High Note“, die jetzt in ausgewählten Kinos sowie online als Video-on-Demand zu sehen ist, sprachen wir mit Johnson via Zoom.

Ms. Johnson, passend zu Ihrem neuen Film „The High Note“, in dem Sie eine aufstrebende Musikproduzentin spielen, sitzen Sie gerade vor einem Klavier. Spielen Sie auch selbst?

Ja, ich habe tatsächlich für den Film Klavierspielen gelernt. Oder sagen wir es mal so: Ich habe zumindest gelernt, vier Songs auf dem Klavier zu spielen. Ich hatte immer früh morgens Unterricht, bevor ich los zum Dreh musste. Außerdem habe ich viel Zeit mit meiner Freundin Annie Clarke verbracht, die als Produzentin tätig ist und unter dem Namen St. Vincent auch selbst Musik macht. Durch sie, aber auch durch zahlreiche Interviews mit Frauen, die in der Branche arbeiten, habe ich einen ganz guten Einblick bekommen, was es heißt, eine der wenigen Produzentinnen in der Musikindustrie zu sein.

Haben Sie auch bestimmte Musik gehört, um sich einzustimmen?

Ich mache mir für jeden Film spezifische Playlists. In diesem Fall gab es außerdem ein bestimmtes Aretha-Franklin-Album, das ich ständig gehört habe. Und kurz vor Beginn der Dreharbeiten erschien das neue Album des tollen Musikers Wise Blood, das lief bei mir dann auch rauf und runter.

Trailer zu "The High Note"

Video: YouTube

Welche Rolle spielt denn Musik insgesamt in Ihrem Leben?

Mein Vater hörte früher zu Hause ständig Musik, von morgens bis abends. Außerdem sind meine beiden älteren Brüder Musiker. Ich bin also aufgewachsen mit Musik, in jeder Hinsicht. Was ich von meinem Vater mitbekommen habe, war dabei vor allem klassischer amerikanischer Rock. Meine Brüder standen eher auf Grunge und Rap, was man in den Neunzigern eben so hörte, von Nirvana und Pearl Jam bis A Tribe Called Quest. Damit ist meine musikalische Prägung ganz gut umrissen.

Ihre Figur in „The High Note“ ist nicht nur Produzentin, sondern verdient ihr Geld zunächst vor allem als persönliche Assistentin eines Popstars, der sie nicht immer nett behandelt. Wahrscheinlich muss man als prominenter Mensch ganz schön aufpassen, dass Herumkommandieren keine Selbstverständlichkeit wird, oder?

Na ja, ich fand immer schon, dass jeder Mensch es verdient hat, mit Respekt, Dankbarkeit und Freundlichkeit behandelt zu werden. Und das gilt ganz besonders für Menschen, die mir in meinem Alltag helfen. Ich bin so dankbar dafür, dass ich sie habe, dass ich mir immer wünsche, dass sich jeder unterstützt und wertgeschätzt und glücklich fühlt. Ich vergöttere meine Assistentin und wäre aufgeschmissen ohne sie.

Aber so viel Dankbarkeit seitens der Arbeitgeberin ist sicher keine Selbstverständlichkeit ...

Ohne Frage habe ich in meinem Leben schon häufig beobachtet, dass Leute in unserer Branche ihre Angestellten fürchterlich behandeln. So ein respektloses Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen finde ich immer traurig.

Sagen Sie dann etwas?

Hm, nicht wirklich ... So wirklich geht mich das ja nichts an.

Kürzlich haben Sie Ihr Regiedebüt gegeben, bei dem Musikvideo „Cry Cry Cry“ von Coldplay, der Band Ihres Lebensgefährten. Haben Sie also Ambitionen, die über die Schauspielerei hinausgehen?

Klar, ich habe noch viele Pläne. Ich hätte nichts dagegen, noch mehr Musikvideos zu inszenieren. Und habe inzwischen auch eine eigene Produktionsfirma. Aber vor allem möchte ich einfach weiter gute Filme drehen, nicht zuletzt als Schauspielerin.

Besonders stolz waren Sie zuletzt auf Ihren Film „The Peanut Butter Falcon“. Darin spielten Sie mit Ihrem Kollegen Zack Gottsagen, der das Down-Syndrom hat.

In gewisser Weise hat dieser Film mein Leben verändert. Ich glaube, dass ich durch diesen Film in Zukunft mehr erwarte. Von mir selbst, aber auch von der ganzen Arbeitssituation. Ich kann nicht mehr zufrieden sein mit dem Gefühl, einfach meine Arbeit gut gemacht zu haben. Ich muss mehr spüren, mehr in die Tiefe gehen. Manchmal ist es ja so, dass man sich irgendwie so durchmogelt in der Arbeit. Dass man die Rolle schon ganz gut meistert, aber nie wirklich das Gefühl hat, bis zum absolut Innersten vorgedrungen zu sein. Und das ist auch okay, das reicht für manche Filme total aus. Aber wirklich genügen wird mir das künftig nicht mehr, jetzt, wo ich weiß, wie man sich im Job auch fühlen kann.

Die eben erwähnte eigene Firma heißt Teatime Pictures, Sie führen sie gemeinsam mit Ihrer guten Freundin Ro Donnelly. Auf Ihrem Instagram-Account posten Sie Film- und Serientipps im Namen von Teatime, aber nie Privates. Warum eigentlich nicht?

Das ist einfach nicht mein Ding. Ich bin nicht gut darin. Ich würde mich dort persönlich zu entblößt fühlen, und das ist nichts, worauf ich besonders scharf bin. Also lasse ich es lieber bleiben. Ich hatte mich damals überhaupt nur angemeldet, um Aufmerksamkeit für meinen Podcast „The Left Ear“ zu erregen, wo Frauen ihre Erfahrungen mit Gewalt, Belästigung und Diskriminierung teilen.

Sie sind ohnehin bekannt dafür, Ihre Privatsphäre stets so gut wie möglich zu schützen. Sind Sie als Tochter prominenter Eltern einfach ein gebranntes Kind, was den Ruhm angeht?

Nein, aber man gewöhnt sich einfach nie daran. Zumindest ich nicht.

Hat es auch Vorteile, im Rampenlicht zu stehen?

Nachdem ich mein ganzes Leben dort verbracht habe, kann ich sagen, dass ich zumindest einen guten Radar für Heuchler habe (lacht). Das heißt nicht, dass ich niemandem mehr über den Weg traue oder nicht auch mal neue Freundschaften schließe. Aber meine engsten Freunde, auf deren Loyalität und Ehrlichkeit ich immer setzen kann, kenne ich wirklich alle schon sehr lange. Wobei Freundschaften in diesem Beruf natürlich auch so eine Sache sind, schließlich bin ich ja ständig unterwegs. Deswegen gebe ich mir immer größte Mühe, für meine Freunde und Familie, wenn schon nicht physisch, dann zumindest emotional anwesend zu sein.