Leonard Cohen, hier im Jahr 1993.
Foto: Brigani Art/Heinrich/Imago

In der Mitte des kleinen Bandes eine Fotografie: Leonard Cohen, Musikhalle Hamburg. Rechts vom Falz kann man gerade noch einen kleinen dunkelhaarigen Mann mit Gitarre erkennen, mindestens die Hälfte der Zuhörerschaft scheint direkt um ihn herumzustehen. Da kommt Neid auf. ich selbst sah ihn erst live, als er schon sehr berühmt war. Sich den Bühnenraum allein mit einer Handvoll Zuhörer zu teilen, war da schon nicht mehr möglich.

Der in Oldenburg lebende Schriftsteller Klaus Modick, Jahrgang 1951, ist offenbar schon als junger Mann ein Fan gewesen. So passt sein „Leonard Cohen“ in die handliche Reihe der KiWi Musikbibliothek, die schon Die Toten Hosen, Take That und Nick Cave aufgenommen hat und dem Prinzip einer „radikal subjektive Liebeserklärung" folgt – mit Playlist.

Leonard Cohens Songs verändern das Leben 

Radikal subjektiv? Oh ja. Liebeserklärung? Allemal. Und nur, wenn man schon eine Meinung zu Leonard Cohen hat – nach Möglichkeit eine enthusiastische –, und nur, wenn seine Stimme sich bei jeder abgedruckten Liedzeile im Kopf der Leserin wie von selbst einschaltet, wird man von diesem Bändchen etwas haben. Denn es ist keine Einführung in den Kosmos des kanadischen Sängers, es ist eine Beschreibung der – nicht anders als lebensverändernden – Wirkung seiner Songs. Auf junge Leute, damals, als Klaus Modick jung war.

Wer „Suzanne“ etwa im Radio hörte und den Sänger und den Titel nicht mitbekommen hatte, konnte damals noch lange nicht im Internet nach der Playlist des Senders gucken. „Songs From A Room“ schreibt Modick, „das Album erschienen im April 1969, „Bird On The Wire“ hieß eins der neuen Stücke“. Davor der Auftritt in der Hamburger Musikhalle, die ist nur zur Hälfte besetzt. Das kränkt einen Fan, den Modick Lukas nennt, aber keinen Moment nimmt man an, der Autor erzähle hier nicht auch von sich selbst und seiner Erinnerung an einen kleinen Mann, „die Haare deutlich länger als auf dem Coverfoto, schwarzer Pullover, schwarze Hose.“ Er beginnt mit „So long, Marianne“. Später wird Lukas nach Griechenland reisen auf den Spuren des Sängers, Ouzo trinken und in Cohens „Selected Poems“ blättern.

Textexegese, noch eine Leidenschaft, an die sich auch die Rezensentin erinnert. Modick beschreibt das Rätseln über manche Zeile, denkt aber nicht daran, einem auf die Sprünge zu helfen. Doch für Erklärungen ist das Bändchen nicht gedacht, es stört vielmehr mit Macht die Erinnerung auf: So war das, als dieser Sänger ins eigene Leben trat.

Leonard Cohen. KiWi Musikbibliothek. 134 S., 10 Euro.