Lange habe er gebraucht, sich zu entscheiden, über „seinen Krieg“ zu schreiben, sagte Daniil Granin vor einem Jahr in Berlin. Der russische Schriftsteller war eingeladen, um vor dem deutschen Bundestag an die 900 Tage der Belagerung Leningrads zu erinnern, des heutigen Sankt Petersburg. Es habe ihn beschäftigt, den Menschen mitzuteilen, „dass wir einen Sieg errungen haben, der gerecht war“. Und mit Pathos fügte er hinzu: „Es gibt wahrscheinlich einen sakralen Raum, in dem der Mensch des Sieges teilhaftig wird. Wo das Wichtigste die Liebe zu den Menschen und zum Leben ist“.

Nun ist sein Roman „Mein Leutnant“ auf Deutsch erschienen, drei Jahre nach der Originalausgabe, die in Russland mit dem Preis „Großes Buch“ ausgezeichnet wurde. Der Autor ist jetzt 96 Jahre alt. Pathetisch ist dieser Roman nicht. Und es ist beileibe nicht der erste, in dem Granin sich mit dem Großen Vaterländischen Krieg, wie der zweite Weltkrieg in seiner Heimat genannt wird, beschäftigt. Schon die Erzählung „Unser Bataillonskommandeur“ hat ihren Ursprung in den Tagen der Belagerung Leningrads, die mit Ales Adamowisch in den Siebzigerjahren verfasste Chronik „Das Blockadebuch“ und natürlich auch seine Erinnerungen an „Das Jahrhundert der Angst“ (1997, deutsch 1999). Warum geht er noch einmal zurück?

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