Wer Portugal sagt, denkt vielleicht an die blau und gelb bemalten Kacheln, die Azulejos, an köstliche Blätterteigtörtchen mit Vanillecreme oder an die Klänge des Fado, in denen die ganze Melancholie des Landes mitschwingt. Portugal hat sich viel von seinem traditionellen Charme bewahrt, und manches typische Landesprodukt kommt noch so daher, wie es einst erfunden wurde. Zum Beispiel die Seife von Claus Porto, die in der neuen Seifenfabrik von Ach. Brito am Nordrand der Stadt immer noch hergestellt wird wie im Jahr 1887.

Damals war Seife ein Luxusgut. König Ludwig XIV. in Frankreich hatte der Seife zur neuen Blüte verholfen, als er im 17. Jahrhundert die besten Seifensieder nach Versailles holte. Seife als Kosmetikum war begehrt wie nie im 19. Jahrhundert. Die Zeiten der Trockenwäsche, als man die körpereigenen Gerüche mit Parfüm und Puder zu überdecken versuchte, waren endgültig vorbei.

Die beiden Deutschen Ferdinand Claus und George Schweder waren eigentlich nach Porto gekommen, um dort als Forscher und Chemiker zu arbeiten. Aber auch mit Import- und Exportgeschäften kannten sie sich aus. Sie kamen also auf die Idee, ein Seifen- und Parfümunternehmen zu gründen.

Mit ihren Seifen wurden Claus und Schweder schnell berühmt. Sie waren schon damals besonders schön verpackt. Außerdem vertrieben die beiden Lavendelwasser, das von Pariser Parfüms inspiriert war. Der letzte portugiesische König Dom Manuel II. besuchte ihre Werkstatt und brachte seiner Auguste Viktoria ein Duftwässerchen mit, auf dem rote Nelken prangten. Während des Ersten Weltkrieges mussten Claus und Schweder dann fluchtartig Portugal verlassen, nachdem das Deutsche Reich dem anfänglich neutralen Land 1916 den Krieg erklärt hatte.

Man hörte nie wieder etwas von ihnen, und nach einer Anstandsphase des Wartens erwarb der Portugiese Achilles de Brito die Seifenfirma, in der er schon als Manager gearbeitet hatte. Er benannte sie in „Ach. Brito“ um, und die Produkte von Claus und Schweder in ihren hübschen Verpackungen konnten weiterleben.

Claus Porto ist bis heute die Luxuslinie des Unternehmens, das in vierter Generation von Aquiles de Brito als einem von drei Teilhabern geführt wird. Es ist noch immer das nostalgische Image, das die Produkte unverwechselbar macht. „Davon rücken wir nicht ab“, sagt Aquiles de Brito. „Wir leben von der alten Zeit.“

Duft im 30er-Jahre-Design

So gibt es auch heute noch eine Veilchenseife, deren blumige Verpackung an die Gründerzeiten erinnert. Es gibt Seifen, die nach wilden Stiefmütterchen duften, nach Geißblatt, rotem Mohn oder nach Mandeln und Jasmin. Sie alle sind in glänzendes Papier im 30er-Jahre-Design gewickelt.

Wer eine der Seifen aus der Verpackung schält, fühlt einen Handschmeichler und riecht Aromen wie von gestern und vorgestern, als Seife noch ein Zeichen von Wohlstand war und vor Gebrauch erst mal im Wäscheschrank zwischen die Hemdchen geschoben wurde. Claus-Seife hat die Erinnerung an die vergangenen Zeiten bewahrt und der jeweiligen Linie mittlerweile neue Produkte hinzugefügt: Handcremes, die nach Iris duften, Kerzen mit Zitronenaroma oder Körpercremes mit einem Hauch von Lavendel. Die Inhaltsstoffe sind allesamt natürlich. Die puderfarbenen Gästeseifen sehen so appetitlich und hauchdünn aus wie Schokoladentäfelchen.

Claus-Seife ist etwas für Menschen mit einem Retro-Faible. Die Zutaten werden auf Steinwalzen gemahlen, auf alten Stempeln zu Seifen gepresst, an der Luft getrocknet, und am Ende wird jedes Stück Seife handverpackt.

Als Aquiles de Brito die Firma 1994 übernahm, war er 21 Jahre alt und hatte keine Ahnung von den Geschäften. „Für mich war es eine ganz und gar emotionale Angelegenheit, ins Unternehmen einzusteigen.“ Ach. Brito war zu der Zeit allerdings in einem schlechten Zustand. Nach den erfolgreichen 30er-Jahren, in der die Firma jede Menge Auszeichnungen und Medaillen erhielt, kam im Zweiten Weltkrieg mit der Militärjunta und der Diktatur Salazars alles zum Erliegen. Sein Großvater und auch sein Vater, der mit nur 39 Jahren starb, hätten diese Zeit nie verwunden, erzählt Aquiles de Brito.

Familienunternehmen mit Tradition

Die de Britos sind eine angesehene Familie in Portugal. Sie stammen aus dem Norden des Landes. Der Ururgroßvater war ein Pionier in Textilgeschäften, Vater und Großvater wurden als Rennfahrer bekannt – und mit den Seifen. Der junge Aquiles de Brito krempelte also die Ärmel hoch, erweiterte das Angebot, und vor etwas mehr als zehn Jahren zog Ach. Brito aus dem Zentrum Portos vor die Tore der Stadt in ein modernes Gebäude. Dort werden nicht nur die Seifen und die anderen Produkte und Hauslinien hergestellt. Dort befindet sich auch der Verkaufsraum und das Firmenmuseum, das die lange Geschichte widerspiegelt.

„Sabonetes Violetas“ steht auf den alten Schachteln, gelbe und rote Nelken schmücken Döschen mit Reispuder, von zerbeulten Blechschachteln lächelt Elizabeth Taylor, die pfeffrige Piri-Piri-Seife gibt es heute leider nicht mehr.

Heute werden in Porto 300 Seifen- und Parfümerieprodukte für sechs Kollektionen hergestellt und in 50 Länder exportiert. Portugiesische Luxushotels legen sie in ihren Badezimmern aus. Die Amerikaner und Engländer lieben die Seifen. In ausgewählten Geschäften werden sie auch in Deutschland angeboten. Ansonsten findet man sie in exklusiven Online-Shops wie Net-a-Porter oder Goodman Bergdorf. Claus-Seifen sind kleine Schmuckstücke. Und entsprechend teuer. Eine 150 Gramm schwere Seife kostet um die zehn Euro – ein Luxusgut, wie im 19. Jahrhundert.