Die Stammbesetzung: Ranga Yogeshwar, Christian Lindner, Markus Söder, Christian Drosten und Christiane Hoffmann zu Gast bei Maybrit Illner.
ZDF

BerlinIn Zeiten des zunehmenden Fernsehkonsums feiern die Quizshows neue Zuschauerrekorde. So verzeichnete die letzte Staffel der ARD-Ratesendung „Wer weiß denn so was?“ im Vorabendprogramm mehr als 18 Prozent Marktanteil. So viel wie ein durchschnittlicher „Tatort“. Neuerdings kommt einem allerdings manche Frage und Antwort bekannt vor. Denn die ARD strahlt seit kurzem ein Best of aus – der Vorrat an Sendungen mit Publikum ist aufgebraucht. Beim „Quizduell-Olymp“  reichen die im März aufgezeichneten Shows noch bis Mitte Mai. 

Lesen Sie hier unseren Corona-Newsblog

Die Produzenten haben Alternativen entwickelt: „Gefragt – Gejagt“ startet an diesem Sonnabend als „Prime-Time-Spezial“ in der ARD – ohne Prominente und ohne Publikum. Beim „Zuhause-Quiz“ können Zuschauer online bei Jörg Pilawa mitraten, bei „Wer wird Millionär“ auf RTL wird ab nächste Woche der Publikumsjoker durch einen „Millionärsjoker“ ehemaliger Gewinner ersetzt. Andere Formate dagegen leiden, wenn das Publikum als Joker fehlt. Oliver Welke wirkt ohne seine johlenden Fans in der „heute-show“ doch sehr verloren. Dieter Nuhr redet seine ARD-Zuschauer jetzt direkt an und schaltet zu Kabarett-Kollegen wie Lisa Eckart oder Torsten Sträter.

Im Internet sind alle gleich

Bei ZDFneo sind Till Reiners und Moritz Neumeier als „Homies“ auf Sendung gegangen, die sich die Bälle per Videokonferenz zuspielen, und dazu ausgewählte Livestream-Zuschauer in kleinen Kästchen ins Bild einblenden – die mal über die Gags lachen, oft aber einfach in ihre Kameras starren, wie man das aus dem Homeoffice kennt. Diese Form der Publikumsbeteiligung ist nicht nur optisch anstrengend. Das gilt auch für die Corona-Comedy „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“ auf ZDFneo. Hier spielt Lavinia Wilson eine Werbetexterin, die sich per Skype mit ihrer Chefin und dem verschickten Ehemann auseinandersetzen muss, zwischendurch noch die Profile ihrer Tinder-Lover checkt. Doch Tinder ist out – die Chefin schickt ihr einen Vibrator.

Lesen Sie hier: Neue Krimiserie: „The Mallorca Files“

Obwohl die einzelnen Folgen nur neun Minuten lang sind, gehen sie schnell auf die Nerven: Im Sekundentakt ploppen Bildchen auf und zu, die Eingabeliste wird stets mitgefilmt, die Heimtexterin rennt immer wieder aus dem Bild. Anders dagegen der Kabarettist Sebastian Pufpaff. Sein werktäglich auf 3Sat laufendes „Noch nicht Schicht!“ ist die souveränste Corona-Sendung. Pufpaff sitzt nicht im Jogginganzug vor der Kamera, hinter ihm ein Bügelbrett, sondern akkurat im Anzug vor einer täglich aktuell gestalteten Pinnwand. Er schwadroniert nicht selbstmitleidig über die Sinnsuche in diesen seltsamen Zeiten, sondern legt Tag für Tag das Absurde der Lage bloß. Und er forderte schon Ende März: „Macht mal wieder richtiges Fernsehen! Nehmt endlich die Stöpsel aus den Ohren!“

Optik der Videokonfernzen

Tatsächlich hat sich die Optik der Videokonferenzen und Homeoffice-Selfies als Stilmittel binnen weniger Wochen schon genauso verbraucht wie die tagtäglichen Brennpunkte, Extras und Spezials, die meist nur wiederholen, was gerade in den Hauptnachrichten verkündet wurde oder was die Kollegin im anderen Sender gerade diskutiert hatte (so wie bei der sonntäglichen Talkshow-Dopplung mit Anne Will in der ARD und Maybrit Illner im ZDF).  

Vielleicht ein Triptychon aus Die geteilten Bildschirme, das Nebeneinanderstellen wackliger Skype-Bildchen in den neuen Formaten sollen wohl Dynamik und Rastlosigkeit demonstrieren. Doch diese Kurzatmigkeit richtet sich an eine Zuschauerschar, die gerade sehr viel Muße hat und von der optischen Hektik schmerzlich ans Eingesperrtsein erinnert wird, etwa an die eigenen, oft mühseligen Videokonferenzen mit der Firma oder der Familie. Wer will derart Amateurhaftes auf dem großen Bildschirm sehen?

Der RBB hat sogar für das Sandmännchen einen Corona-Clip drehen lassen: Der Spitzbart besucht die Kinder nicht, sondern nimmt übers Tablet Kontakt zu ihnen auf. Doch das Zweiminutenfilmchen aus der Reihe „4 Wände Berlin“ ist wenigstens sorgfältig gefertigt und wirkt daher vertraut. Mehr Kontinuität würde auch ein Festhalten am Programmschema vermitteln.

Alles geht von vorn los

Das ZDF wirbelt am stärksten in seinem annoncierten Angebot herum und verschiebt permanent Filme. Begründung: Man prüfe die „Tonalität“. So wurde die Serie „Fritzie – Der Himmel muss warten“ aus dem Programm genommen, die um eine Lehrerin mit der Diagnose Brustkrebs kreist. Es kann im Fernsehen derzeit wohl nur eine Krankheit geben. Solche Verschiebungen wirken bevormundend.

Lesen Sie hier: „Betonrausch“: Hochstapler aus Berlin bei Netflix

Netflix-Nutzer können wählen, ob sie sich mit romantischen Komödien zerstreuen oder „Pandemie“ gucken wollen. Die ARD dagegen hält am Sendeplan fest: Wenn Ende Mai alle fertig gedrehten Folgen der Seifenoper „Rote Rosen“ versendet worden sind, dann fängt das Erste nach Folge 3130 einfach mit Folge 1 wieder an. Da entdeckt so mancher Fan die Serie ganz neu.