Diese Augen! Wer sich nicht vom Blick der zerbrechlich wirkenden, siebenjährigen Maisie berühren lässt, muss ein Herz aus Stein haben. Und es ist Maisies Sicht, aus der wir das Scheidungsdrama „Das Glück der großen Dinge“ erleben – eine Perspektive permanenter Untersicht auf Erwachsene, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden wollen. Die alternde Rockmusikerin Susanna und der sarkastische Kunsthändler Beale mögen sich ja einst geliebt haben; aber jetzt konzentrieren sie sich darauf, den anderen möglichst effektiv zu verletzen. Das schicke New Yorker Loft, die coolen Klamotten von Susanna und die hippen Mini-Cowboystiefel, in denen sich Maisie (Onata Aprile) durch ihr Leben tastet, lassen auf bessere Zeiten schließen. Jetzt wird auch ums Geld gestritten. Beale und Susanna liefern sich aber vor allem eine unerbittliche Schlacht um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter, deren Betreuung indes längst in die Hände des Kindermädchens Margo abgegeben wurde.

Während Susanna im unberechenbaren Wechsel zwischen euphorischer Zuneigung zum Kind und dessen völliger Vernachlässigung agiert, verbringt Maisies Vater die gemeinsame Zeit mit der Tochter eigentlich ausschließlich am Handy. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie tapfer sich Maisie noch jedem halbwegs zuverlässig wirkenden Erwachsenen anschließt, seien es der Hausportier oder die neuen Lebenspartner der Eltern. Maisies Vater hat sich nämlich das junge, hübsche Kindermädchen in jeder Beziehung zu Diensten gemacht, während sich die Mutter bei einer ihrer zahlreichen Partys den ebenfalls sehr viel jüngeren, attraktiven Barkeeper Lincoln (Alexander Skarsgård) angelacht hat. Erst als diese beiden eines Tages auch einmal ausfallen und Maisie völlig allein in der nächtlichen Metropole steht, weint das stille, stets beobachtende Kind zum ersten Mal.

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