Lotte Laserstein, „Frau mit roter Baskenmütze“, um 1931, erworben aus Haushaltsmitteln der Berlinischen Galerie und aus Spenden des Fördervereins der Berlinischen Galerie, 2019. 
Foto:  Berlinische Galerie/L.L./VG BIldkunst Bonn 2020

BerlinDieses Gedenken, nicht nur in Berlins Museen, sondern auch in der Stadt,  in der die jüdische Malerin Lotte Laserstein (1898-1993) lebte und aus der sie 1937 im letzten Moment vor den Nazis nach Schweden floh, war schon lange überfällig. Am Montag wurde an ihrem einstigen Wohnhaus in der Jenaer Straße 3 in Berlin-Wilmersdorf eine Gedenktafel angebracht. 

Kultursenator Klaus Lederer sagte bei der Einweihung: „Ich freue mich sehr, dass mit Lotte Laserstein eine Frau und bedeutende Malerin der Neuen Sachlichkeit geehrt wird. Und ich bin sehr froh, dass das Gedenken der Berlinerinnen und Berliner, die unsere Stadt besonders geprägt haben, trotz Corona nicht zu kurz und die Tafel für Lotte Laserstein an die Wand kommt.“

Tatsächlich hätte sich der deutsche Kunstbetrieb schon vor Jahren Asche aufs Haupt streuen müssen. Erst Ausstellungen in Frankfurt am Main und in Berlin vor wenigen Jahren machten deutlich, welche künstlerische Größe der Vorkriegszeit diese Frau darstellte. Als das zärtlich-monumentale Gemälde „Abend über Potsdam“ von 1930 durch die Freunde der Nationalgalerie angekauft wurde und die Berlinische Galerie der Malerin 2019 eine große Ausstellung widmete – mit Ankauf der „Frau mit roter Baskenmütze“, 1931 (Abb.), – wurde klar, was der hiesigen Kunstlandschaft bislang entgangen war.

Lotte Laserstein, eine der ersten Künstlerinnen, die in Berlin an der Akademie zugelassen wurden, gehört längst in eine  kunstgeschichtliche Reihe etwa mit der in Berlin wirkenden Jeanne Mammen, mit Veristen wie Christian Schad, Otto Dix und mit den Dresdner Realisten wie Gurt Querner oder Hans Grundig. Aber der Ausstellungsbetrieb seit 1945, egal ob West oder Ost, hatte die von den Nazis gehasste und im schwedischen Exil gestorbene Laserstein nicht auf dem Schirm. Man könnte vermuten, dass es an ihrer Malweise lag. An dieser Körperlichkeit, an der in sich gekehrten Intimität der Szenen. Solcher Realismus war nach 1945 in den von der abstrakten Kunst besessenen westlichen Museen verpönt. Laserstein passte nicht in den Mainstream, weil ihre Motive ohne jeden Vorsatz auskommen. Sie wollten weder politisch noch künstlerisch provozieren. Aber dieses verblüffende Ganz-nah-Dran kommt unseren heutigen Sehgewohnheiten sehr entgegen.

Lasersteins Tragödie war, im Exil nie wieder an ihr Schaffen im Berlin der 20er- und 3Oer-Jahre anknüpfen zu können. Diese Innerlichkeit, die forschende Stille waren ihr im Exil genommen worden.