Berlin - Wir stehen vor zwei kleinen Elfenbeinfigürchen aus dem Grasland von Kamerun, überaus hinreißend gestaltet. Dahinter droht ein gewaltiger Schädel eines afrikanischen Elefanten mit Stoßzähnen. Die Beschriftung neben der Vitrinenscheibe teilt mit: „sehr wahrscheinlich koloniales Raubgut“. 1911 kamen die Figürchen in die Sammlungen des damaligen Museums für Völkerkunde, dienten davor wohl als Schmuck an einer Schärpe oder am Gürtel eines Königs oder Fürsten.

Als das Humboldt-Forum vor 20 Jahren erdacht wurde, wäre diese Zusatzinformation „wahrscheinlich koloniales Raubgut“ gewiss nicht angefügt worden. Dabei macht erst sie deutlich, in welchen kulturpolitischen, historischen und auch emotionalen Zwickmühlen sich europäische und nordamerikanische Museen, die während der Kolonialzeit aufgebaut wurden, inzwischen befinden: Sie wollen und sollen die eigene Geschichte und historische Verwicklung kritisch zeigen, können aber oft nur annäherungsweise belegen, wie einzelne Objekte in die Sammlungen kamen und welche Vorgeschichte sie hatten.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.