Berlin - Welche dramatische, zum Teil auch nur traurig-ernüchternde Folgen die nicht enden wollende Pandemie mit sich bringt, zeigt sich auch in symbolpolitischer Hinsicht. In der kommenden Woche sollte, nach elfjähriger Planungs- und Bauzeit, endlich das Humboldt-Forum im wiedererrichteten Berliner Hohenzollernschloss für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Eine erste Gelegenheit für die Berliner und ihre Gäste, sich einen Eindruck vom neuen Stadtraum in der Mitte Berlins zu verschaffen, dessen wechselvolle Geschichte von der Errichtung identitätspolitischer Bauwerke und deren Abrissen handelt. Was demnächst unter dem Namen Humboldt-Forum zu entdecken sein wird, ist weit mehr als nur ein schlossähnlicher Monumentalbau mit angegliederten Ausstellungsräumen. Im Humboldt-Forum, so jedenfalls die mitunter etwas hochtrabenden Vorstellungen der mit dem Projekt und dessen Entwicklung befassten Kulturpolitiker, soll der Optionsraum für ein Deutschlandbild entstehen, anhand dessen man sich der vergangenen und zukünftigen Rolle des Landes in der Welt vergegenwärtigen kann. Es wäre der Startschuss für ein ambitioniertes Vorhaben gewesen, das einerseits von der Geschichte Berlins erzählt, die widersprüchliche Rolle Preußens reflektiert und sich dabei ganz auf der Höhe geschichtspolitischer Diskussionen über Kolonialismus und Postkolonialismus zeigt. In jeder Vitrine ein Verweis auf die Leistungen und den Eigensinn anderer Kulturen, aber auch ein doppelter Boden mit oft auf illegitime Weise erworbenen Artefakten.

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