Irgendwann mussten sie für ihre Sünden büßen, und die ganze Welt gleich dazu. All die dreckigen Witze, das dumme Gerede um nichts und wieder nichts, lausige Komödien für den schnellen Dollar – der ganze teuflische Spaß schrie einfach nach Bestrafung. Die Sängerin Rihanna, Zufallsgast auf einer exzessiven Schauspielerparty im Haus von James Franco, geht als erste; Michael Cera, der ihr zuvor noch an den Po grapschte, folgt ihr nach. In einem grandiosen Akt der Hollywood-Selbstvernichtung verschwinden sie in einem Höllenschlund, der sich mitten in Los Angeles auftut und das komplette Showbiz einer todgeweihten Kultur nach unten reißt.

Selbstironisches Unternehmen

Zurück bleiben ausgerechnet einige Hauptverantwortliche der ganzen Misere. Doch warum? Erhalten Seth Rogen, Jonah Hill, Jay Baruchel und Konsorten etwa die Chance auf Bewährung? Das wäre der Sinn des Jüngsten Gerichts, und obwohl man nach Sinn in diesem Film am allerwenigsten fragen sollte, geht es eben darum: Die Chefkomiker der letzten Jahre vergegenwärtigen im Haus von Hipsterkönig James Franco, vollgestellt mit seiner fürchterlichen Kunst, die Apokalypse.

Warum, könnte man weiter fragen, erwischt es gerade diese eigentlich doch netten Jungs? Wären nicht Jerry Bruckheimer, Michael Bay oder überhaupt jeder, der mal in einem Superheldenfilm mitgewirkt hat, die geeigneteren Kandidaten? Nun, Selbstironie zeichnet sich eben dadurch aus, dass sie die Schuld der anderen auf sich nimmt. Und selbstironisch ist natürlich das ganze Unternehmen, das auf einem von den Regisseuren Seth Rogen und Evan Goldberg geschriebenen, mittlerweile recht legendären Kurzfilm beruht („Jay and Seth versus the Apocalypse“). Schon darin spielten Rogen und der weniger bekannte Jay Baruchel sich selbst, Regie führten Jason Stone und das blanke Chaos. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Auch vom übrigen Komödienhandwerk der Beteiligten unterscheidet sich „Das ist das Ende“ nicht wesentlich. Es gibt zu viele Kiffer- und Sexwitze, im Einzelnen ist das gar nicht diskutierbar. Letzte Fragen („Ist die Apokalypse nicht der ultimative Gottesbeweis?“) werden weniger theologisch als skatologisch beantwortet. Die Spannung beruht einzig darauf, wie weit diese Verrückten in der visuellen Darstellung des Jüngsten Gerichts gehen werden. Es gibt zwar mindestens 666 apokalyptische oder postapokalyptische Schreckensfilme. Die eigentliche Offenbarung indes wäre filmhistorisches Neuland.

Moderne, digitale, nicht minder schreckliche Gestalt

Ohne zuviel zu verraten, sei gesagt: Wir sehen hier nicht weniger als die Sixtinische Kapelle des Kumpelfilms. Was Michelangelo seinem Papst Julius II. ans Seitenschiff malte, mit etwa derselben Farbpalette, bekommt moderne, teils digitale, darum nicht minder schreckliche Gestalt. Es wird gnadenlos aussortiert, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Gesichter verziehen sich zur Fratze, Jonah Hill muss exorziert werden, und während draußen die Feuer toben, befällt die Eingeschlossenen von Beverly Hills der heiße Regen der Erkenntnis: Die Hölle, das sind immer noch die anderen. Hoffentlich hat das Jüngste Gericht den gleichen Humor.

Das ist das Ende (This is the End) USA 2013, Buch u. Regie: Seth Rogen, Evan Goldberg; mit: Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Danny McBride, Craig Robinson u.a.; 107 Min., Farbe. FSK ab 16.