Seine Hoffnungen auf Europa hatte Heinrich Mann schweren Herzens begraben, als er in sein Tagebuch schrieb: „Meine drei Wochen in Lissabon, in der Erwartung, den verlorenen Kontinent hinter mich zu bringen, ich hatte an Trauer dessengleichen nicht gekannt.“ Er fühlte sich buchstäblich an den Rand gedrängt, als er während des Krieges kurz vor seiner Flucht notierte: „ (…) unbewohnbar jedes dieser Länder, denen ich meine Anstrengung dargebracht hatte (…); Deutschland meiden, aus Frankreich über einen Berg flüchten und auf keinen Fleck keines Gebietes mehr ohne Gefahr den Fuß setzen: so sieht für die allerseits erwünschte Einheit Europas der umgekehrte Beweis aus.“

Es wäre im bevorstehenden Heinrich-Mann-Jahr – er wurde vor 150 Jahren geboren – wohl an der Zeit, sich eingehender mit dem desillusionierten Blick des Schriftstellers auf den Kontinent zu befassen, den er 1940 über Spanien und Portugal verließ. „Zur Zeit von Winston Churchill“ sind die Tagebucheinträge betitelt, in denen Heinrich Mann sich einen Reim auf die Weltlage zu machen versucht, dabei aber ein ums andere Mal den Blick des souveränen Intellektuellen verfehlt, dessen Rolle er doch zu prägen versucht hatte.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.