Demi Lovato bei einem Auftritt in Birmingham 
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Saint LouisWie die Sängerin mit der tiefschwarzen Mähne dort auf der Bühne steht, im langen weißen Ballkleid, wie sie zunächst abbrechen muss, weil sie von ihren Emotionen überwältigt wird, und wie sie dann mit klarer und kraftvoller Stimme erneut ansetzt – dieser Auftritt rührte viele Zuschauer zu Tränen.

„I feel stupid when I sing. Nobody’s listening to me“, singt Lovato, der natürlich nicht niemand zuhört, sondern der eine riesige Fangemeinde andächtig lauscht, weil sie in ihrer Heimat, den USA, längst ein Superstar ist. Lange haben ihre Anhänger auf sie warten müssen, seit fast zwei Jahren gab es keine Live-Auftritte mehr. Nun ist „Anyone“ da – und er ist nicht ohne Grund der bisher stärkste Song der 27-jährigen US-Amerikanerin.

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Jede Zeile klingt wie ein Hilferuf: Lovato nahm das Lied im Sommer 2018 auf, vier Tage bevor sie mit einer Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert wurde und fast gestorben wäre. Nun ist Lovato zurück, sie hat den Entzug hinter sich gebracht und will nach vorne schauen. Der Grammy-Auftritt war erst der Anfang, am Sonntag wird sie beim Superbowl, dem TV-Ereignis des Jahres in den USA, die Nationalhymne singen.

Der Erfolg Lovatos – schon ihr zweites Studioalbum erreichte Platz Eins in den Billboard-Charts – erklärt sich nicht nur mit ihrer eindrucksvollen, exakt geschulten Stimme. Die Künstlerin, die mexikanische, italienische und irische Vorfahren hat und ihre Karriere als singende Disney-Schauspielerin startete, hat aus ihren Suchtproblemen und ihren psychischen Krisen nie ein Geheimnis gemacht.

Das Mobbing der Mitschüler, die sich über ihr Körpergewicht lustig machten, ihre Bulimie und die Selbstverletzungen, auch die Diagnose einer bipolaren Störung – der Öffentlichkeit blieb nichts verborgen. Auch nicht, dass diese Erkrankung nicht einfach verschwindet, sondern dass ein langer Weg nötig ist, um mit ihr leben zu können. Lovato hat diesen Weg angetreten.