Besser abgesichert: Das verpricht die Respektrente. 
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BerlinDie gewitzte Neuschöpfung „Schaulästige“, die sich auf schaulustige Passanten bezieht, die in der Öffentlichkeit immer häufiger Ärger machen, hat es nur auf Platz 4 bei der Entscheidung über das Wort des Jahres 2019 geschafft. Es erschien der Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Ende wohl zu sehr um die Ecke gedacht.

Bei der stets mit einiger Aufmerksamkeit bedachten Einrichtung „Wort des Jahres“ sollen Begriffe oder sprachliche Wendungen ausgezeichnet werden, die signifikant und populär sind. Die Popularität darf man beim Wort „Respektrente“, wie eine Blitzumfrage im Kollegenkreis ergab, bezweifeln.

Immerhin wusste schnell jemand beizusteuern, dass es sich dabei wohl um eine euphemistische Bezeichnung der viel diskutierten Grundrente handeln müsse, die die große Koalition zuletzt beinahe an ihr Ende getrieben hat.

Das Wort bezieht sich auf die geplante Einführung einer Grundrente für Männer und Frauen, die trotz langjähriger Erwerbstätigkeit bisher nur eine sehr geringe Rente beziehen. Sie ist vor allem das politische Projekt des Arbeits- und Sozialministers Hubertus Heil (SPD).

Die Wortschöpfung Respektrente ist ein Versuch, der oft umständlichen und starren politischen Sprache ein wenig Leben einzuhauchen. In diesem Fall soll auf die Rente, die eine Zahlung ist, die ohne aktuelle Gegenleistung bezogen wird, soziale Anerkennung in Form von Respekt draufgesattelt werden. Eine wohlmeinende politische Zugabe. In George Orwells Roman „1984“ das Neusprech genannt. So gesehen ist das Wort des Jahres auch ein Unwort.