Die Fotografin und Kamerafrau Elfi Mikesch.
Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Berlin„In der Dunkelheit des Fotolabors begann für sie eine Traumwelt. Sie fühlte sich wie in einer ägyptischen Grabkammer. Sie erfand Geschichten und Traumfiguren.“ – So erinnert sich Elfi Mikesch (in der dritten Person) an ihre beruflichen Anfänge. Als 16-Jährige war sie eher zufällig zu einer Lehre als Fotografin gekommen. Doch im Umgang mit den Materialien und Chemikalien realisierte sich für sie ein alchimistischer Vorgang. Über Fotopapier und Negative gebeugt, erlebte sie das Wunder der Verwandlung, die Transformation vom Banalen zum Erhabenen. Diesen Zauber vermochte sie später über ihre gesamte künstlerische Arbeit hinweg zu bewahren: als Fotografin, Kamerafrau und Regisseurin.

Auf ihren Bildern und Inszenierungen liegt stets ein magischer Glanz – niemals jedoch das bloße Glitzern des Kitsches. Der Magie der Worte war sie schon im Alter von zwölf Jahren erlegen, in Form von Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „Die Maske des roten Todes“. So war es kein Zufall, dass sie sich fast zwanzig Jahre später an einer filmischen Adaption der berühmten Seuchenparabel versuchte. Dieses auf Super-8 gedrehte Filmdebüt „Charisma. Eine Erinnerung an den Tod“ (1970) gilt als verschollen. Seither hat sie mehr als 80 Filme mitgestaltet, davon fast 25 als Regisseurin. Gleich mit ihrem dokumentarischen Erstling „Ich denke oft an Hawaii“ gewann sie 1978 ein Filmband in Silber.

Auch in diesem Porträt einer 16-jährigen Schülerin aus Berlin-Gropiusstadt geht es um Metamorphosen. Das Mädchen verwandelt sich in eine exotische Tänzerin, entfaltet inmitten trister Alltagsumgebung eine betörende Anmut und lässt kreative Potenziale erahnen.

Für Mikesch selbst, die sich als Heranwachsende Billi und in ihren Träumen Anna genannt hatte, vollzog sich der wesentliche Phasensprung 1964. Mit dem Umzug nach Berlin-West vermochte sie, der provinziellen und katholischen Enge ihrer österreichischen Herkunft zu entfliehen. Dieser Befreiungsschlag wäre ohne Wegbegleiter und Freunde kaum denkbar gewesen. Genannt sei der Maler und Hörspielautor Fritz Mikesch (1939–2009), den sie 1960 geheiratet hatte. Oder La Milli, Holger Mischwitzky (alias Rosa von Praunheim), Tabea Blumenschein, Monika Treut, Udo Kier, Heinz Emigholz, Frank Ripploh und Cynthia Beatt. Das sind Namen, die alle eng verbunden sind mit der frühen Infragestellung von Geschlechtergrenzen und der Findung einer damit verbundenen, neuen Ästhetik. Werner Schroeter, für den Elfi Mikesch mehrere Filme fotografierte (u.a. „Malina“), beschrieb ihren einzigartigen Blick als einen Weg, mit dem „menschliche Loyalität als Traum verwirklicht werden könnte“.

Am 5. Juni wird in der Galerie Gustav von Hirschheydt (Wielandstr. 31, 10629 Berlin) eine Ausstellung mit Arbeiten von Elfi Mikesch eröffnet. Parallel dazu erscheint das von Rosa von Praunheim herausgegebene Buch „Vis à vis – Fotografien und Film 80“.