Berlin - Seit diesem Montag stehen die Daten der Filmfestspiele so fest, wie das in diesen Zeiten möglich ist: Nach dem Online-Branchenevent im März soll das eigentliche Festival mit Berlinale-Feeling, also Stars, Rotem Teppich, Eröffnungsveranstaltung und Preisverleihung, vom 9. bis zum 20. Juni stattfinden - unter Einhaltung der Hygieneregeln. Das Zentrum wird nicht wie sonst der Berlinale-Palast sein, sondern zehn Kinos überall in der Stadt. Vielleicht kommen auch noch ein paar dazu. Und weil die Berlinale die Kinos nicht mietet wie sonst, sondern eine Kooperation eingeht, die besagt, dass die Kinos die Erlöse aus dem Kartenverkauf behalten können, sind die Daten sogar noch ein wenig flexibel, sollten die Inzidenzzahlen das erfordern.

Es ist unbekanntes Gelände, auf das sich die Berlinale 2021 mit ihrer Zweiteilung in ein März- und ein Juni-Event begibt, doch ist das Festival fest entschlossen, als Fanal zu wirken. Filmbranche und Publikum soll gleichermaßen signalisiert werden: Es geht wieder los! Das machten die drei Gastgeber der  Videopressekonferenz am Montag deutlich: die Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und der künstlerische Leiter des Festivals Carlo Chatrian. „Wir glauben, dass alle in der Filmbranche auf dieses Eröffnungssignal warten“, sagte Monika Grütters. 

Auch die Mitglieder der Wettbewerbs-Jury hat Carlo Chatrian am Montag bekanntgegeben: Es sind sechs Regisseure, drei Frauen und drei Männer, die in den vergangenen Jahren einen Goldenen Bären gewannen: der Iraner Mohamad Rasoulof („Doch das Böse gibt es nicht“, 2020), der Israeli Nadav Lapid („Synonymes“, 2019), die Rumänin Adina Pintilie („Touch me not“, 2018), die Ungarin Ildikó Enyedi („Körper und Seele“, 2017), der Italiener Gianfranco Rosi („Fuocoammare“, 2016) sowie die Bosnierin Jasmila Zbanic („Esmas Geheimnis – Grbavica“, 2006). Dass sie dieses Jahr auf die Benennung eines Jury-Präsidenten verzichten, sei ein Ausdruck für die Zeit, so Chatrian: „Wir sitzen alle im selben Boot.“

Die Berlinale-Jury kommt im März nach Berlin - bis auf Mohammad Rasoulof

Die gute Nachricht: Alle bis auf Rasoulof, der in Teheran im Hausarrest sitzt, werden die Filme zusammen in einem Kino in Berlin sehen. Die fünf nehmen dafür einiges auf sich, sie müssen nämlich zuvor zwei Wochen lang in Quarantäne. Das Sichten der Filme  wird vom 1. bis zum 5. März stattfinden, während des sogenannten Industry-Events mit dem European Film Market im Zentrum, an dessen Ende die Preisträger aller Sektionen feststehen. Dieses Zusammenkommen sei ihm wichtig gewesen, sagte Carlo Chatrian. Es sei von symbolischer Bedeutung, eine Definition des Kinos als ein kollektives Erlebnis vor großer Leinwand.

Foto:  Benjamin Pritzkuleit
Die Berlinale-Leitung: Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian.  

Nächste Woche wird sich die Berlinale Tag für Tag noch ein Stückchen mehr materialisieren. Das Programm der einzelnen Sektionen wird dann bekannt gegeben, zuletzt am Donnerstag das des Wettbewerbs, von Chatrian die „Sonne in der Berlinale-Galaxie“ genannt. Rund hundert Filme in Spielfilmlänge wird das reduzierte Programm umfassen, erstaunlicherweise wurden zehn Prozent mehr Filme eingereicht als in anderen Jahren. Chatrian erklärte noch einmal, warum man sich dazu entschlossen habe, die Preise zu vergeben, Monate bevor sie verliehen werden, aber vor allem, ohne dass das Publikum die Filme sehen kann: Es gehe darum, Filmen zu helfen. „Wenn sie zu anderen Festivals reisen, ist es wichtig, dass sie einen Bären im Gepäck haben.“

Wie ungewohnt das alles ist, machte auch die Präsenz der Kulturstaatsministerin deutlich, die bei einer Pressekonferenz der Berlinale eigentlich nichts zu suchen hat. Dass Monika Grütters trotzdem erschien, hat neben der Signalwirkung vor allem einen Grund: Geld.

Der Bund ist bereit, die Berlinale mehr als sonst finanziell zu unterstützen

Von dem, was man in Berlin salopp Staatsknete nennt, war die Berlinale schon immer abhängig. Ein Drittel der Festivalkosten trägt der Bund normalerweise, es sind rund 10,2 Millionen Euro. Ein weiteres Drittel wird aus Ticketverkäufen erwirtschaftet – 2020 wurden 330.000 Tickets verkauft – und das letzte Drittel kommt von Sponsoren. Da es 2021 kein „normalerweise“ gibt, weil der Ticketerlös ausfällt und auch die Sponsorengelder nicht so fließen wie sonst, braucht das Festival mehr Geld vom Bund, und dieser – das machte Monika Grütters ganz deutlich – ist bereit, es zu geben. „Das ist uns die Berlinale wert.“ Eine fixe Summe kann sie derzeit aber nicht nennen.

Das Einfachste wäre gewesen, das Festival ausfallen zu lassen. Alle hätten es bedauert, alle hätten es verstanden. Doch das „Abenteuer Berlinale 2021“, wie Grütters es nannte, findet wohl statt und hat hoffentlich den erwünschten Effekt auf die Branche und das Publikum. Wie Monika Grütters richtig sagte: „Die Menschen in Berlin brauchen etwas, auf das sie sich freuen können.“