Berlin - Wie fein austarierte Popchoreografien mit der noch dampfenden Erdigkeit purer Rockrhythmen kunstvoll verknüpft werden können, führte zu Beginn der 1980er-Jahre niemand eindrucksvoller vor als David Bowie. Jede seiner Bewegungen schien während seiner „Serious Moonlight“-Tour, die ihn 1983 auch in die Berliner Waldbühne führte, perfekt inszeniert, sogar der Sonnenuntergang übernahm dabei einen Part. Während Bowie die erste Hälfte des Konzerts noch im Tageslicht absolvierte, kam ein kurz aufblitzender Mondstrahl bei der einbrechenden Dunkelheit zur Geltung – genau in dem Moment als Bowie die Zeile sang: „Under the moonlight, that serious moonlight“. Ach.

Es sind Erinnerungen wie diese, die noch immer aufhorchen lassen, wenn David Bowie in den Schlagzeilen auftaucht, auch wenn dies den handelsüblichen Mechanismen der Nachlassverwertung geschuldet ist. Ein bislang nicht offiziell veröffentlichtes Album des 2016 gestorbenen britischen Rocksängers David Bowie, so wurde am Mittwoch via BBC verkündet, soll nach gut 20 Jahren nun doch erscheinen. Es handelt sich dabei um das 2001 aufgenommene Album „Toy“, es soll am 7. Januar 2022 als dreiteilige CD-Box und auf sechs Vinyl-Scheiben erscheinen, kurz vor Bowies 75. Geburtstag.

Ein wenig reinhören darf man jetzt schon einmal, die Single „You’ve Got A Habit Of Leaving“ ist in einer Radio-Edit-Version via YouTube zugänglich. Der perfektionistische Performer schrammelt da vor sich hin, es überwiegen „Ouhaas, ouhaas“ – eine lässige Reminiszenz an die schöne Zeit der Beat-Ära. David Bowie war ja nicht nur in äußerlicher Hinsicht ein Verwandlungskünstler, er bediente sich auch musikalisch fast sämtlicher Spielarten des Pop.

Der Name David Bowie löst heute trotz anhaltender Gerüchte über problematische sexuelle Eskapaden, gerade auch in seiner Berliner Zeit, Signale der Bewunderung aus, ganz ähnlich wie der künstliche Mond seinerzeit in der Bühnenarchitektur der Waldbühne. Das Album erscheint übrigens erst jetzt, weil die Plattenfirma Virgin damals nicht von dem Werk überzeugt war.