Der Pop-Geiger David Garrett ist kein bescheidener Mensch. Es hat ihm als jungem Mann nicht genügt, einige kompetente Leute mit seinem Spiel zu begeistern. Er wollte den Applaus der Masse – den er nach einem selbst herbeigeführtem Karriereknick und der Umstellung von Repertoire und Spieltechnik nun auch bekommt. Doch damit nicht genug der Unbescheidenheit. Um seine Masche nun auch historisch zu nobilitieren, erklärte er keinen geringeren als Niccolo Paganini zu seinem Vorläufer, indem er einen Film über den bedeutendsten Geiger des 19. Jahrhunderts anregte, produzierte und die Hauptrolle gleich selbst übernahm.

Ganz wie ein richtiger und seriöser Schauspieler täuscht Garrett im „Teufelsgeiger“ mit drei verschiedenen nackten Frauen Geschlechtsverkehr vor. Es sind seine zweitüberzeugendsten Szenen in diesem Film. Überzeugender ist Garrett nur, wenn er Geige spielt, was er ja zweifellos kann und hier mit elektronisch aufgepimpten Arrangements von ihm selbst und Franck van der Heijden auch Schwerhörigen eindrucksvoll vermittelt wird. Aber leider gibt es neben den drei Sexszenen und den gefühlt 34 Geigenszenen auch noch ein paar, in denen er agieren und sprechen soll. Sogar die Kamera möchte betreten wegsehen, wenn Garrett mit abwesendem Blick und schlaffem Körper seine Dialogzeilen nuschelt.

Sex, Geigen, Skandalpresse

Also versucht der Film, seine unpräsente Hauptfigur bis zur nächsten Sex- oder Geigenszene weiträumig zu umfahren, zum Beispiel mit fantasievollen Einblicken in das Musikleben des frühen 19. Jahrhunderts. Eine Witzfigur von Agent (Christian McKay) versucht, getrieben vom halb brünstigen, halb künstlerischen Ehrgeiz seiner Gattin (Veronica Ferres), den berüchtigten Paganini nach London zu holen. Die Skandalpresse heftet sich an den Geiger, der plötzlich unerkannt in Pubs aufspielt. Puritanische Frauenverbände versuchen seinen Auftritt zu verhindern, denn wo Paganini fiedelt, fallen erregte Frauen in Ohnmacht, während der Meister sich in die blasse Tochter seines Agenten (Andrea Deck) verliebt. Und wem verdankt Paganini diesen seinerzeit einzigartigen Erfolg? Einem faustischen Pakt mit dem Teufel (Jared Harris).

„Du brauchst nicht nur Talent, du brauchst auch eine Geschichte“, sagt der und bringt moderne Marketingkonzepte auf den Punkt. Garrett selbst versteht viel davon, wenn er sein Leben als Geschichte vom ungezogenen Wunderkind erzählt, das auf die sichere, aber fremdbestimmte Karriere pfeift, um „sein Ding“ durchzuziehen, und damit eine noch viel größere Karriere startet. Auch diesem Film ist kein Klischee zu blöd und ausgelutscht, um es nicht mit Getöse zu zelebrieren – dafür stehen schon die dramatisch in Szene gesetzten Geigereien mit irrem Blick, zotteligen Haaren, glitzernden, spritzernden Schweißtropfen. Regisseur und Kameramann Bernard Rose darf sich nach dieser zweistündigen Dauerreklame für David Garrett auf künstlerisch attraktive Angebote aus der Werbebranche freuen.

Der Teufelsgeiger (The Devil’s Violinist) Dtl./Italien 2013. Buch, Regie & Kamera: Bernard Rose, Darsteller: David Garrett, Jared Harris, Veronica Ferres, Andrea Deck, Helmut Berger u.a.; 122 Minuten, Farbe, FSK ab 6.