Er war ein Prachtstück inmitten der Chemie- und Braunkohle-Landschaft – der Bitterfelder Kulturpalast.
Foto:  pa/ZB/Jan Woitas

Bitterfeld - Viel Pathos machte im pompösen Bau die Runde und hallte durch die Säle des Bitterfelder Arbeiter-Palastes, dem „Herzstück der neuen sozialistischen Kultur“. Der Schriftsteller Werner Bräunig, damals noch fest an den Sozialismus glaubend und in Aufbruchstimmung wie viele seiner Gefährten, verfasste den Aufruf: „Greif zur Feder, Kumpel! Und lass Dich’s nicht verdrießen, wenn sich das lebendige Wort Dir nicht sofort fügen will.“ Doch ausgerechnet dieser Autor, ein gebürtiger Chemnitzer, den die Literaturkritik 2007 als den „Heinrich Böll des Ostens“ feierte, stürzte mit seinem Wismut-Roman „Rummelplatz“ tief in Ungnade. Bräunig, Jahrgang 1934, Kumpel im Uran-Bergbau der Wismut, Autor, dann ans Leipziger Literaturinstitut delegiert und zum Vorzeige-„Arbeiterdichter“ der DDR geworden, verzweifelte schließlich am Stalinismus. Zuerst, bei seinem Aufruf auf der ersten Bitterfelder Konferenz, war er noch gläubig bis in die Haarspitzen: „Im sozialistischen Staat“, schrieb er, „werden die schöpferischen Kräfte des Volkes, die unter den Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutung verkümmern mussten, gepflegt und gefördert.“

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