Glück lässt sich nicht nur schmieden, es lässt sich auch kleben. Theo zum Beispiel fingert mit Geduld und Kleber an ein dreiblättriges Kleeblatt ein viertes Blättchen und schenkt es seinem Herzblatt Lena. Beide ahnen nicht, dass sie schon bald viel Glück brauchen, um den Sturm zu überstehen, der sich über ihren Köpfen und denen ihrer Mitschüler entladen wird.

Ein Akt der „Konterrevolution“

Die Sache mit dem Glück bringenden Kleeblatt, geschickt geklebt und verliebt verschenkt, ist in den ersten Minuten des Films „Das schweigende Klassenzimmer“ zu sehen. Das Drama läuft ab dem 26. Februar in den Berliner Kinos. Es erzählt die wahre Geschichte einer Abiturklasse in der DDR 1956, die sich mit den Aufständischen in Ungarn solidarisiert, indem sie Schweigeminuten einlegt. Die Aktion entwickelt eine Dynamik, die alle 20 Schüler – 15 Jungen und fünf Mädchen – in einen inquisitorischen Politstrudel reißt.

Der Ort der Pressefilmvorführung ist geschichtsreich: ein Kino im Kellergeschoss des Edelprivatclubs Soho House. Das denkmalgeschützte Bauwerk an der Ecke Torstraße/Prenzlauer Allee war schon vieles: Kreditkaufhaus Jonass, Zentrale des Reichsjugendführers der NSDAP, Sitz des Zentralkomitees der SED und Institut für Marxismus-Leninismus. Seine Gewölbe dienten als Archiv der Partei, die den Sturm entfachte, der sich über der 12. Klasse der Kurt-Steffelbauer-Oberschule in Storkow entlud, einem damals 5000 Einwohner zählenden Ort 70 Kilometer von Berlin.

Die SED deutete die Schweigeminuten als Akt der Konterrevolution.

Die „Konterrevolution“ beginnt in der ersten großen Pause vor der Geschichtsstunde am Montag, dem 29. Oktober 1956. Seit sechs Tagen demonstrieren Hunderttausende Ungarn gegen die kommunistische Einparteiendiktatur und die sowjetische Besatzungsmacht; rund um die Uhr berichtet darüber der Sender RIAS in West-Berlin. Ein Schüler erzählt, dass der Sender, den er verbotenerweise hört, zu Schweigeminuten für die Opfer des Aufstands aufgerufen habe. Hopplahopp entschließt sich die Klasse, die ersten fünf Minuten des Unterrichts – Thema: die vorrevolutionäre Situation 1918 in Deutschland – zu schweigen.

Nicht alle in der Klasse sind von der Aktion überzeugt; nicht alle wissen, worum es eigentlich geht. Aber alle machen mit. Das ist auch tags darauf so, nachdem der RIAS gemeldet hat – im Nachhinein fälschlich –, dass der ungarische Fußballstar Ferenc Puskás bei dem Aufstand ums Leben gekommen sei. Die Schüler nehmen das zum Anlass, zu Beginn der Mathestunde eine Minute zu schweigen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Es passiert zwölf Tage lang nichts; es ist die Ruhe vor dem Sturm. Irgendjemand hat die Staatssicherheit informiert. Und die wird tätig. Der Schulleiter sieht sich gezwungen, mit dem Partei- und FDJ-Sekretär der Schule und dem Vertreter des Kreisschulamtes in Beeskow die Jungen und Mädchen einzeln zu befragen: Wer ist der Rädelsführer der Aktion? Die Klasse schweigt. Es folgt später sogar ein Besuch des Ministers für Volksbildung, Fritz Lange: Wer ist der Rädelsführer? Die Klasse schweigt. Der Minister stellt ein Ultimatum: Nennt die Klasse innerhalb von acht Tagen den oder die Rädelsführer nicht, werde sie zum Abitur nicht zugelassen.

„Geschichte muss man auch mal ruhen lassen!“ Es habe Stimmen gegeben, die immer schon so oder ähnlich formulierten, aber auch Menschen, die immer schon sahen, was damals wirklich geschah: dass Jugendliche „ein Zeichen setzten, weil sie sich mit der Kraft, die Jugendlichen eigen ist und auch heute noch eigen ist, empörten gegen das, was sie als Unfreiheit erlebten“. Dietrich Garstka schreibt diese Sätze in einem Grußwort des Beihefts zum Film „Das schweigende Klassenzimmer“; er gehörte zu dieser Klasse und zu der Gruppe von vier Jungs, die die Schweigeminuten anstießen.

„Freiheit war unsere Ideologie“

„Wir wussten, was wir taten: eine politische Demonstration. Aber wir waren uns der Konsequenzen nicht bewusst“, sagte Garstka bei einem Gespräch mit dem Autor vor zwölf Jahren anlässlich der Veröffentlichung seines Buchs „Das schweigende Klassenzimmer“, das inzwischen in fünfter Auflage vorliegt. Die Verfilmung könnte in zwei Jahren im Kino oder Fernsehen laufen, hoffte er damals, Filmemacher stünden Schlange. Es hat länger gedauert.

Garstka ist heute 79 Jahre alt. Es geht ihm nicht so gut. Das Herz. Auch die Nieren wollen nicht mehr so, wie sie sollen; dreimal die Woche muss er zur Dialyse. Ein grippaler Infekt hat ihn zusätzlich geschwächt.

„Wir waren sehr politisch, und wir hatten unsere Werte“, sagt Dietrich Garstka. Wer konnte, habe jeden Tag RIAS gehört, vorzugsweise eine Sendung um 18 Uhr, die mit dem Läuten der Freiheitsglocke im Schöneberger Rathaus begann. Und eine Stimme habe anschließend feierlich gesagt – Garstka liest aus seinem Buch vor, Seite 19 –: „Ich glaube an die Unantastbarkeit und die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo immer sie auftreten möge.“ Er macht eine kurze Pause und sagt schließlich: „Freiheit – das war unsere Ideologie.“

Schweigen als Akt der Freiheit.

„Man muss an etwas glauben“

Lars Kraume hat das Buch vor zehn Jahren in die Hände bekommen und vor fünf Jahren die Idee gehabt, wie er es verfilmen könnte. Die Akzente Film & Fernsehproduktion hatte sich die Filmrechte gesichert, aber noch keinen Drehbuchautor. Kraume schrieb das Drehbuch. Und übernahm auch die Regie.

Mit der Verfilmung von Geschichte hat Kraume Erfahrung; für seinen Politthriller „Der Staat gegen Fritz Bauer“ erhielt er den Deutschen Filmpreis 2016. Er findet, „dass historische Filme immer eine Aussage treffen müssen, die heute eine Bedeutung hat“. Im Fall des schweigenden Klassenzimmers gehe es darum, „dass man irgendwann in seiner Jugend ein politischer Mensch werden muss. Wer keine eigene Meinung hat und für sie einsteht, der hat gar nichts.“

Es geht auch darum, aus dem, was man im Leben hat oder nicht hat, das Beste zu machen. „Man muss an etwas glauben, sonst geht es nicht“, lässt Kraume eine seiner Filmfiguren sagen. Sei es an ein (vermeintlich) vierblättriges Kleeblatt, an Kapitalismus oder an Sozialismus, der, wie er eine andere Figur betonen lässt, nicht perfekt sei, aber eine Chance verdient habe.

Acht Drehbücher, ein Film

Mehrmals trafen sich Lars Kraume und Dietrich Garstka – in Essen, wo der Autor des Buchs lebt, in Berlin, in Storkow. Acht Drehbuchfassungen entstanden. Das Ergebnis ist ein vielschichtiger Film mit verblüffenden Zwischentönen, die Verständnis wecken wollen für das Verhalten aller. „Es ist alles im Grunde so ähnlich, wie es sich in Wahrheit zugetragen hat“, sagt Kraume, „aber die Figuren, ihre Familien und auch der Drehort sind verändert.“ Dafür gibt es persönlichkeitsrechtliche und filmdramaturgische Gründe.

Viele dieser Figuren und Familien sind wie ihre Landsleute im Westen unfähig, mit ihrer Geschichte umzugehen; sie ziehen es vor, über ihr Verhalten in der NS-Zeit zu schweigen – hüben wie drüben eine schwere Hypothek bei der Gestaltung der Zukunft.

Wichtig war Kraume, „dass der Film nicht das typische graue Bild der DDR zeichnet“, seien doch der Glaube und die Hoffnung, dass der Sozialismus die überlegene Gesellschaftsform sein werde, 1956 „sehr berechtigt“ gewesen. Daher verlegte er den Ort der Handlung in die erste „sozialistische“ Stadt der DDR, nach Eisenhüttenstadt (bis 1961 Stalinstadt), die im Zuge des Baus des Eisenhüttenkombinats Ost entstand und die ihren Bewohnern Annehmlichkeiten bot, „von denen man im Westen im Ruhrpott nur träumen konnte“, wie Kraume sagt.

Bist du für oder gegen die DDR?

Dietrich Garstka ist mit der Verfilmung seines Buches sehr zufrieden. „Bei jedem Bild dachte ich: Ja, so war’s!“ Er lobt „die starke Sprache“ und „die starken Bilder“. Die hätten ihn so beeindruckt, dass er die Bedrohung von einst wieder spürte und die Verachtung dafür, „dass es selbst bei Schülern letztlich nur noch darum gehen sollte, ob sie für oder gegen das Regime waren. Bist du für den Frieden oder gegen den Frieden, hieß immer auch, bist du für die DDR oder gegen sie? Das war eine elende Verengung von Welt.“ Der Film sei „ein großes Werk, das seine ganz eigene Wirkung entfaltet“.

Das ist auch das Verdienst der Darsteller: Leonard Scheicher als Theo, ein forscher Pragmatiker; Tom Gramenz als Kurt, ein zurückhaltender Idealist; Lena Klenke als Lena, die sich in beide Jungs verguckt; Jonas Dassler als Erik, der hin- und hergerissen ist im Glauben an das neue Deutschland – Dassler bekam jetzt bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises auch für diese Rolle eine Auszeichnung als Nachwuchsdarsteller; Ronald Zehrfeld als Stahlmalocher Lemke, der will, dass sein Sohn Theo es mal besser hat; Florian Lukas als Rektor Schwarz, der sich für seine Schüler bis zuletzt einsetzt; Jördis Triebel als Schulrätin Kessler und Burghart Klaußner als Volksbildungsminister Lange, die gegen die Schüler inquisitorisch vorgehen.

„Die Figuren im Buch sind nicht wiederzuerkennen“, sagt Garstka, „die Struktur der Figuren schon.“ So erkennt er sich sowohl in Theo als auch in Kurt wieder.

Der Auftritt des Volksbildungsministers Fritz Lange vor der Klasse gehört zu den eindrücklichsten Momenten des Films. Die Szene, eng angelehnt an Garstkas Ausführungen im Buch, ist verstörend: kein Gedankenaustausch, keine Argumentation, nur Belehrungen und Beleidigungen. Der Minister – selbst Lehrer und „ein Choleriker“ (Garstka) – schimpft den Vater eines Schülers „Nazi“ und den eines anderen „Faschist“ und kommentiert den Berufswunsch Tierärztin einer Schülerin mit dem Satz: Tierärzte seien die „Reaktionärsten“. 

Ein zutiefst schockierendes Verhalten, aber kein unverständliches. Wer gegen die Nazis gekämpft hatte – Lange saß als Kommunist und Widerstandskämpfer im KZ Sonnenburg und im Zuchthaus Brandenburg-Görden – und wer an ein neues Deutschland, ein sozialistisches, glaubte, der war bereit, die erst sieben Jahre junge DDR mit allen Mitteln zu verteidigen. Erst drei Jahre zuvor, 1953, hatte es einen Volksaufstand gegeben; auch die Arbeiter in der Schuhfabrik von Storkow hatten gestreikt. Und die Bundesrepublik hatte 1955 die Hallstein-Doktrin in Kraft gesetzt, derzufolge sie die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur DDR durch Drittstaaten als „unfreundlichen Akt“ betrachtete.

Schelte für Schulrektor und Eltern

Die Staatsmacht trägt den Klassenkampf ins Klassenzimmer. Die Bezirksschulrätin schimpft, wie Dietrich Garstka in seinem Buch aus einem Dokument zitiert, über „unbeschreibliche Mißstände“ an der Oberschule in Storkow, in politisch-ideologischer Hinsicht. Der Rektor sei „unfähig“. Eltern versuchten das Verhalten der Schüler zu „bagatellisieren“. Der Sohn des Berufsschullehrers Garstka spiele eine „üble Rolle, u.a. durch betont westliches Auftreten“.

Dietrich Garstka beklagt in seinem Buch „die ständige Glorifizierung der Entwicklung unserer Arbeiter- und Bauernmacht (...). Durch die immer wieder demonstrierte dogmatische Klassendefinition lebten wir in dem Bewusstsein, grundsätzlich nur geduldet zu sein. Als hätten wir uns zu entschuldigen, nicht Töchter und Söhne von Arbeitern und Bauern zu sein.“

Ein Verhör, ein Gerücht, ein Entschluss

Am Abend des 19. Dezember 1956 klopft es an die Tür der Garstkas. Ein Mitschüler steht davor. Drei Stunden sei er verhört worden, sagt er. Der Name Dietrich sei gefallen. Morgen würden angeblich ein Junge und ein Mädchen den Namen des Rädelsführers nennen.

Dietrich Garstka entschließt sich, noch in der Nacht nach West-Berlin zu fliehen, mit Hilfe seiner Eltern: über Königs Wusterhausen und Eichwalde (Ausweiskontrolle, Anspannung, Angst), Friedrichstraße (letzter Bahnhof im Osten; so tun, als schliefe man), bis Lehrter Bahnhof (langsam gehen, nicht auffallen, Treppe abwärts, losrennen).

Am 21. Dezember, das Ultimatum des Ministers ist abgelaufen, kommen vier Vertreter der SED-Bezirksleitung in die Schule. Die Klasse müsse nur zugeben, dass Garstka der Rädelsführer sei, und alles sei wieder gut. Die Klasse schweigt.

Das Verhalten, das die Staatsmacht bis zum Schluss nicht versteht, folgt einer einfachen physikalischen Gesetzmäßigkeit: Je stärker der Druck, desto stärker der Zusammenhalt.

Die Klasse schweigt bis zuletzt

Am folgenden Tag erscheint die Schulrätin vor den Schülern. Letzter Aufruf. Auf den erwidert der Klassensprecher: Es gebe keinen Rädelsführer, es sei eine gemeinsame spontane Aktion gewesen. Die Schulrätin verweist drei Schüler, die „aufgefallen“ seien, der Schule. Allerletzter Aufruf. Die verbliebene Klasse schweigt. Die Schulrätin verweist auch sie der Schule; die Schüler dürfen auch an keiner anderen Schule in der DDR ihr Abitur machen.

Die Jungen und Mädchen empfinden Wut und Hilflosigkeit, aber auch Stolz auf ihre Courage und Angst vor ihrer Zukunft. 14 Schüler und eine Schülerin entschließen sich, ihrem Klassenkameraden Dietrich zu folgen. Zwischen dem 25. Dezember 1956 und dem 5. Januar 1957 fliehen auch sie nach West-Berlin. Ihre Flucht ist ein politisches Ereignis über das nicht nur die westdeutschen Medien groß berichten, sondern auch die BBC.

Die Parteifunktionäre im Osten fühlen sich in ihrer Haltung bestärkt. Ein Genosse H., Abteilungsleiter für Volksbildung beim Rat des Kreises Beeskow, notiert: „Die ganze Aktion entspringt keinesfalls einer impulsiven oder spontanen Handlung der Schüler, sondern war systematisch organisiert durch westliche Verbrecher- und Agentenorganisationen, an deren Spitze das Ostbüro der SPD, in enger Zusammenarbeit mit dem englischen Geheimdienst.“ 

Es ist auch für Dietrich Garstka noch heute „ein Phänomen, dass es sich so hochgeschaukelt hat“. Aber ein erklärbares: Man habe „ein Exempel statuieren“ wollen, habe „Angst vor Nachahmung“ gehabt. Dass Jugendliche, die sozialistisch erzogen worden waren, sich spontan gegen die Staatsräson stellten, hätten die Parteifunktionäre nicht verstehen können. „Das stand außerhalb ihrer Weltsicht.“

Was der Film nicht erzählt

Der Film endet mit der Flucht der Schüler. Was er nicht erzählt: Die Hauptabteilung V/1 der Staatssicherheit stellt sich die Aufgabe, „Maßnahmen zur Aufklärung des jetzigen Aufenthalts und der Lebensverhältnisse dieser Schüler in Westberlin und Westdeutschland einzuleiten, mit dem Ziel, durch geeignete Methoden Schüler zurückzuholen (...)“. Auch mit Hilfe von Eltern. Das misslingt.

Der Schulrektor wird an eine andere Schule versetzt und zum Unterstufenlehrer degradiert. Er hatte davor gewarnt, die Jungen und Mädchen der Schule zu verweisen, weil er ahnte, dass sie dann in den Westen fliehen würden. Die Schweigeminuten seien, wie Garstka ihn in seinem Buch zitiert, ohne Not „zum Weltskandal hochprovoziert“ worden.

Der Mathe- und Lateinlehrer der Klasse geht auch in den Westen. Die SED-Kreisleitung hatte ihn aufgefordert, der öffentlich gewordenen Kritik über das Verhalten des Volksbildungsministers zu widersprechen. Vier Eltern, auch die von Dietrich Garstka mit seinen drei jüngeren Geschwistern, folgen ihren Kindern. 

„Unsere Flucht war unser Glück“ 

Die geflüchteten Schüler machen 1957 in Bensheim an der Bergstraße in Hessen gemeinsam ihr Abitur. Dietrich Garstka studiert Germanistik, Soziologie und Geographie; er wird Gymnasiallehrer. Als „Märker“, als „Kind der Streusandbüchse“ Brandenburg, vermisst er seine Heimat. Er wagt 1973 einen flüchtigen Besuch in Storkow; weitere, längere Aufenthalte folgen. Und 1996 gibt es ein Klassentreffen in dem Ort. Die Idee für das Buch entsteht dabei. In seiner damaligen Rede sagt er: „Unsere Schweigeaktion und unsere Flucht waren unser Glück.“

Der Zusammenhalt der Klasse ist ungebrochen. Wenn möglich, trifft sie sich jedes Jahr, im vorigen kam sie in Starnberg zusammen. Garstka fehlte aus gesundheitlichen Gründen. Vielleicht klappt es in diesem Jahr. Das Treffen könnte in Storkow stattfinden, sagt er. Dort fährt er regelmäßig hin. Er sagt: „Meine Frau ist auch schon eine Märkerin.“

Wer hat die Schüler verpfiffen?

Auch die vier Schülerinnen, die nicht in den Westen gingen, fanden ihr Glück, nachdem sie ihr Abitur doch noch machen durften. Zur Premiere des Films bei der Berlinale – er läuft außerhalb des Wettbewerbs – reiste Dietrich Garstka aus Essen an. Er hatte bis zuletzt gebangt, ob er dazu die Kraft haben werde. Nach der Aufführung im Friedrichstadtpalast, die die Zuschauer minutenlang beklatschten, ist er gerührt. Er sagt: „Ich habe diese Geschichte drei Mal erlebt: zum ersten Mal 1956, mit 17 Jahren, zum zweiten Mal, als ich das Buch schrieb – irgendwas mit 60 – und zum dritten Mal, am intensivsten, als der Film entstand.“

Eine Frage bleibt: Wer hat das schweigende Klassenzimmer bei der Staatssicherheit verpfiffen? Garstka weiß, wer es war, durfte es aber nicht in seinem Buch schreiben und darf es auch jetzt nicht sagen. Nur so viel: Es war weder ein Schüler noch ein Lehrer.