1. Versuch

Die DDR, das war doch dieses einzigartige Witzgebiet – traf man sich, dann war immer die erste Frage: Kennst du einen Neuen? Dieses komische Land war so komisch, dass es bei den Witzen jedenfalls keine Mangelwirtschaft gab, unsere Bonzen zum Kaputtlachen, und für eine schrecklich lange Zeit wurden die Witze so ernst genommen, dass man in den Knast wandern konnte, hatte man nur einem Witz in der Kneipe zugehört, gelacht, und ihn also verstanden. Der letzte Witz, der mir aus der DDR vor ihrem Untergang zu Ohren gekommen ist, war dann der, die neueste Losung laute: Arbeiten wie im Osten, verdienen wie im Westen. Und kurz darauf, gab’s dann keine Arbeit mehr im Osten, und verdient wird dort immer noch nicht wie im Westen. Das letzte Aufflackern des ostdeutschen Witzes: Ausgebeutet werden ist schlimm – was ist schlimmer? Nicht ausgebeutet werden. Danach dann wurde es ernst, keine Volkskunst mehr, kein Laienschaffen auf dem Witzgebiet, die professionellen Spaßmacher übernahmen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.