Wolf Biermann während eines Konzerts in der TU Berlin
Foto: imago images/Jürgen Ritter

Als wir vom Grenzübergang Friedrichstraße aus ins Offene traten, wussten wir, wohin wir zu gehen hatten. Vor dem Haus in der Chausseestraße 131 hielten wir kurz inne und gingen dann weiter zum Dorotheenstädtischen Friedhof. In Gedanken waren wir schon oft hier gewesen, so nachhaltig hatten sich Biermanns Lieder in unserem Unbewussten festgesetzt. Hier, auf dem „Hugenottenfriedhof“, war die geistige Republik, auf die wir uns mit Biermann beriefen, auf ihre ganz eigene Weise beseelt. „Wir geh’n manchmal zwanzig Minuten ...“ – länger hatte es tatsächlich nicht gedauert.

Es war das Jahr 1977, zu unserem ersten Besuch in Ost-Berlin folgten mein Bruder und ich einem literarischen Kompass, zu dem Biermann die Melodien beigesteuert hatte. Mehr als 40 Jahre später kann es noch immer passieren, dass ich in der Stadt, in der ich seit 40 Jahren lebe, eine Entdeckung mache, zu der mir aus dem Gedächtnis ein paar Zeilen in die Quere kommen. Es ist zweifellos eine sehr individuelle Form der Stadtaneignung, aber sie macht mir immer wieder auch bewusst, wie sehr literarische und biografische Topografien sich aufeinander beziehen. Zufall, woran man hängenbleibt und woran nicht. Aber welcher Zufall beruht schon auf Zufall?

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.