Das Lächeln tut ihr weh. Auch unzählige Operationen später verursacht das rotädrige Narbengeflecht auf der einen Gesichtshälfte bei jeder Bewegung der Gesichtsmuskeln Schmerzen. Die ehemalige Kosmetikerin Beatrice hat sich das Lachen deshalb in aller Konsequenz abgewöhnt. Auch für Victor gibt es keinen Grund mehr, sich am Leben zu erfreuen, seit vor ein paar Jahren seine Frau und seine kleine Tochter umgekommen sind. Die beiden Immigranten aus Europa wohnen zufällig in gegenüberliegenden Wohnungen in einem Apartmentblock in New York und können sich in die Fenster schauen. Es wird ein erkennender Blick in die Seele des anderen. Schwarz ist dort die vorherrschende Gemütsfarbe, so düster wie der Look des Spielfilms „Dead Man Down“ generell.

Sie wollen Rache

Es braucht ein wenig, bis der Neo-Noir-Thriller von Niels Arden Oplev die Geschichten seiner Charaktere dargelegt hat, doch dann geht es nur noch um eins: um Rache. Denn gemeinsam ist den zutiefst verletzten Figuren der Hass auf die Verursacher ihrer Pein. Beatrice kann nicht akzeptieren, dass der betrunkene Autofahrer, der sie über den Haufen gefahren hat, mit einer Ermahnung davongekommen ist.

Victor, dessen Frau und Tochter kriminellen Immobiliengeschäften im Weg standen und deswegen einige Jahre zuvor sterben mussten, hat sein ganzes Dasein auf den großen Tag der Abrechnung ausgelegt. Dafür hat er sich erfolgreich der Gangsterbande angeschlossen, die ursächlich für den Tod seiner Familie verantwortlich ist. Von innen heraus arbeitet der zur Ein-Mann-Armee mutierte Vater und Ehemann an der Auslöschung aller beteiligten Verbrecher. Wie ein Uhrwerk arbeitet er seinen perfiden Plan ab – da kommt ihm die Störung durch Beatrice denkbar ungelegen. Die Frau glaubt nämlich, in Victor das perfekte Werkzeug für ihre Vergeltung gefunden zu haben und erpresst ihn unerwartet mit der Drohung des Gangs zur Polizei.

Hoffnungsarm und bitter spielen sich Colin Farrell als Victor und Noomi Rapace als Beatrice durch den gut gemeinten, aber hoffnungslos überladenen und ziemlich unglaubwürdigen Plot. Dem dänischen Regisseur Niels Arden Oplev gelang mit seiner Verfilmung von „Verblendung“, dem ersten Teil von Stieg Larssons Millennium-Trilogie, der internationale Durchbruch. Hier versucht Oplev offensichtlich, an seinen Erfolg anzuknüpfen. Die gleiche Hauptdarstellerin (Rapace) und die ähnlich unterkühlte Atmosphäre können aber nicht über das Fehlen eines Anliegens oder einer nachvollziehbaren Drehbuchidee hinwegtäuschen. Ganz und gar rätselhaft bleibt etwa auch der Auftritt von Isabelle Huppert, die als taube Mutter von Beatrice wohl für ein wenig Wärme und Heiterkeit sorgen soll.

Alles ist möglich

Recht unmotiviert reiht sich so eine Schießerei an die nächste dramatische Begegnung zwischen Victor und Beatrice, aber weder die beiden Charaktere noch die einzelnen Szenen wollen sich zu einem sinnhaften Ganzen fügen. Das Klischee, dass für den Einwanderer in Amerika auch in negativer Hinsicht alles möglich ist, wird hier ein wenig arg strapaziert. Die Metropole New York, das beweist der Regisseur hier mit jeder Einstellung, ist sichtlich nicht seine „hood“, nicht seine Gegend.

Dead Man Down USA 2013. Regie: Niels Arden Oplev, Drehbuch: J.H. Wyman, Kamera: Paul Cameron, Darsteller: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terence Howard, Isabelle Huppert; 118 Minuten, Farbe. FSK ab 16.