Der Schriftsteller Achille Mbembe mit seinem Buch „Kritik der schwarzen Vernunft“
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BerlinDie Debatte um die Antisemitismusvorwürfe gegen den kamerunischen Philosophen Achille Mbembe war zuletzt geprägt von Verdächtigungen, leidenschaftlichen Entgegnungen und aneinander vorbeigehenden Argumentationen. In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit sieht Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, jedoch keinen Grund, sich bei Mbembe zu entschuldigen, wie dieser es gefordert hatte. Klein hatte Mbembe eine Relativierung des Holocaust vorgeworfen, was er in gewisser Weise noch einmal bekräftigt. „Ich kritisiere Herrn Mbembe nicht für seine gesamte Forschung, die unbestritten verdienstreich ist. Er hat alle Wissenschafts- und Redefreiheit, sich über Israel zu äußern“, sagt Klein, „aber er muss sich nicht wundern, dass es auf Widerspruch stößt, wenn er dabei bestimmte antisemitische Klischees bedient.“

Felix Klein verkennt bei seinen Einlassungen die Wirkung seiner politischen Rolle. Als Beauftragter der Bundesregierung äußert er nicht bloß eine Meinung, sondern versieht Mbembes Äußerungen, die zum Teil sehr lange zurückliegen, nachträglich mit einem staatlichen Prüfsiegel.

So ist es nun auch von afrikanischen Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern verstanden worden, die sich vor einigen Tagen in einem von Ludovic Lado (Tschad) initiierten offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewandt haben. „Wir sind über die anhaltenden Versuche in Deutschland bestürzt“, heißt es darin, „unsere Wortmeldungen zu stigmatisieren, unsere DenkerInnen einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen.“ Ganz ausdrücklich richtet sich die Intervention der afrikanischen Intellektuellen gegen Felix Klein. Er sei moralisch nicht mehr in der Lage, den Kampf gegen Antisemitismus zu führen. Vielmehr habe er daraus ein Instrument zur Förderung von Rassismus und gesellschaftlicher Spaltung gemacht.

Das ist zweifellos stark zugespitzt und wird dem Anliegen Kleins nicht gerecht. Tatsächlich aber hat auch er bislang wenig getan, um in einen fruchtbaren Austausch zu gelangen.