Ingo Schulzes Roman „Die rechtschaffenen Mörder“ erzählt von einem Buchhändler in Dresden, dessen Räume in der DDR oppositionellen Denkern Platz gaben. Dann aber, unter veränderten ökonomischen und politischen Verhältnissen, zeigte dieser zunehmend Sympathie für radikal rechte Positionen. Ein Schriftsteller, der einst gern in dieser Buchhandlung kaufte, aber die Stadt längst verlassen hat, kehrt zurück nach Dresden und versucht, die Ursachen für den Sinneswandel dieses Mannes zu ergründen. Er betrachtet sich auch selbst, wie er sich durch den Weggang aus dem alten Milieu verwandelt hat.

Der Streit um die Zukunft von Monika Maron bei ihrem langjährigen Verlag S. Fischer entzündete sich an dem Verhältnis der Autorin zur Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen. Weil Maron in einer Essayreihe ihres Buchhauses Loschwitz veröffentlicht hat, die wiederum mit dem rechten Verlag Antaios zusammenhängt, kündigte Fischer ihr. Die Verlegerin Siv Bublitz betonte in einer späten Erklärung, es sei nicht um Inhalte gegangen, sondern um „Monika Marons Publikation in einem Netzwerk, das wir für gefährlich halten“.

Obwohl es Verständnis für diese Verlagsentscheidung gab, überwogen in der Öffentlichkeit die Stimmen, die für eine Fortsetzung des offenen Streits warben. Eine gute Lösung hat die Sächsische Zeitung aus Dresden gefunden, die Ingo Schulze und Susanne Dagen zusammen einlud. Die beiden duzen sich, sie streiten um Begriffe, Grenzen und Grauzonen. Die Buchhändlerin beklagt sich, wie sie dargestellt werde. Sie weist darauf hin, dass der Verfassungsschutz zwar Götz Kubitscheks „Institut für Staatspolitik“ beobachtet, aber nicht seinen Verlag. Und  Schulze sagt: „Das Gemeinschaftsprojekt mit dem Antaios Verlag, also mit seinen Protagonisten, ist der Grund, weshalb ich nicht mehr bei dir lesen würde, Susanne. Aber einen Kaffee können wir gern irgendwo trinken.“

Solange man im Gespräch bleibt, kann sich keiner die Opferrolle anziehen.