Berlin - Als Katechismus bezeichnet man seit Beginn der Neuzeit ein Handbuch der Unterweisung in die Grundfragen des christlichen Glaubens. Das Wort Katechismus ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen, das wiederum auf das spätgriechische „katechein“ zurückgeht, was wörtlich so viel bedeutet wie „von oben herab tönen“.

Wenn der australische Historiker A. Dirk Moses die Annahme von der Singularität des Holocaust als „Katechismus der Deutschen“ bezeichnet, darf man also kaum davon ausgehen, dass er damit die diskursive Offenheit der geschichtspolitischen Debatten der letzten Jahre zu preisen beabsichtigt. Vielmehr meinte Moses in polemischer Diktion zuletzt einen ins Religiöse tendierenden Kult diagnostizieren zu können, in dem auf geradezu panische Art und Weise an der Singularität des Holocaust festgehalten werde. Die Erinnerung an den Holocaust als Zivilisationsbruch sei für viele das moralische Fundament der Bundesrepublik, heißt es einleitend zu Moses’ Ausführungen in dem deutsch-schweizer Portal „Geschichte der Gegenwart“, das Moses’ Essay veröffentlichte. Den Holocaust mit anderen Genoziden zu vergleichen, gelte den Deutschen als Häresie, als Abfall vom rechten Glauben. Und in apodiktischer Manier schließt Moses: „Es ist an der Zeit, diesen Katechismus aufzugeben.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.