Warum wird in der Rückschau einigen Jahreszahlen eine größere Bedeutung beigemessen als anderen? Erscheinen sie über die geschichtliche Relevanz hinaus nicht geradezu mythisch aufgeladen? Florian Illies hat mit einer zeithistorischen Tiefbohrung in das Jahr 1913 die Vorkriegszeit in der Ambivalenz zwischen Ahnungslosigkeit und Bedrohung vor Augen geführt. Paradigmatisch für diese Methode der literarischen Einfühlung hatte zuvor bereits der Literaturwissenschaftler Hans-Ulrich Gumbrecht das Zwischenkriegsjahr 1926 in den Blick genommen, um an zufälligen, historisch nicht zwingend paradigmatischen Ereignissen eine Geschichte der Ähnlichkeiten kenntlich zu machen. So scheinen Hitler und Kafka bei Gumbrecht auf furiose Weise in ihrer Bürokratiefeindlichkeit zusammenzutreffen. Für dieses Frühjahr ist bei dtv eine Studie von Christian Bommarius angekündigt, der sich in das Jahr 1923 vertieft hat, das Inflationsjahr, das das Ende der Nachkriegszeit und den Auftakt der „goldenen 20er-Jahre“ der Weimarer Republik markiert, die Peter Gay einst als „Republik der Außenseiter“ beschrieben hat.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.