Berlin - Zur Vorgeschichte gehört eine Meldung aus dem Fachmagazin Buchreport. Kurz nach der Kür Annalena Baerbocks für die erste Position im Grünen-Wahlkampf titelte es am 19. April: „Kanzlerkandidatin ohne Buch“. Der Artikel verwies auf die vorliegenden Veröffentlichungen über Armin Laschet und Markus Söder sowie die Neuausgabe eines Buches von Olaf Scholz, während Robert Habecks „Von hier an anders“ sogar ein Bestseller war. Drei Tage später folgte die Meldung, die den Makel behob: „Ullstein bringt das Baerbock-Buch“. Der Rest ist bekannt, macht aber die Sache nicht besser. Die Eile, mit der die Kandidatin auch im Buchhandel präsentiert werden sollte, führte nicht zu einer Erfolgsgeschichte, sondern zu einem neuen Stresstest für sie. Immerhin steht das Produkt schon auf Platz acht der Bestsellerliste.

Vielleicht, um nicht wieder zu antworten, sie ärgere sich am meisten über ihre eigenen Fehler, sagte Annalena Baerbock am Wochenende auf die Frage, ob sie das Buch selbst geschrieben habe: „Ja, aber wie es so schön heißt: Niemand schreibt ein Buch allein. Es sind nicht nur viele Ideen eingeflossen, ich habe dankenswerterweise auch Unterstützung bekommen.“ Den Spruch, den man großzügig auf die Arbeit des Lektorat münzen mag, kannten offenbar viele Autoren noch nicht. Auf der Kurzmitteilungsplattform Twitter äußerte die Schriftstellerin Nora Bossong ihr Befremden: „Wer jahrelang zehn Stunden täglich allein am Schreibtisch sitzt, um Bücher zu schreiben, ist einfach etwas fassungslos bei Baerbocks Äußerungen.“

Bei Robert Habeck, der vielleicht 2025 als Kanzlerkandidat der Grünen antritt, ist wenigstens in punkto Buchproduktion alles klar. Seine ersten, zum Teil auch sehr erfolgreichen Bücher hat er nicht allein geschrieben. Andrea Paluch steht deutlich mit auf den Umschlägen, sie werden in den Kurzbiografien als Autorenduo vorgestellt. Sie schreibt weiter Romane, er politische Bücher.