Jeder Name zählt: Die Arolsen Archives rufen zum Mitmachen auf

Das Archiv sammelt die Angaben von Millionen Naziopfern und bittet um Mithilfe bei der Datenerfassung. Hinter jeder Karte steckt ein Schicksal.

Die Arolsen Archives sammeln die Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus. 
Die Arolsen Archives sammeln die Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus. Arolsen Archives

Es ist wirklich ganz einfach, man benötigt nur einen Computer, Augen und Finger: Man geht auf die Internetseite der Mitmachaktion, klickt auf drei Links und auf dem Bildschirm erscheint ein abfotografiertes Dokument, neben dem sich Felder öffnen, in die man die Angaben einträgt: Name, Vor- und Geburtsname, Geburtsdatum und -ort, Staatsangehörigkeit, Religion und Häftlingsnummer.

Weltgrößte Sammlung: Geschichten von Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus

Die Arolsen Archives sind die weltweit umfassendste Sammlung mit Hinweisen zu 17,5 Millionen Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung gehört zum Unesco-Weltdokumentenerbe. Bis zum 20. Mai 2019 war die Organisation unter dem Namen Internationaler Suchdienst (englisch International Tracing Service; ITS) bekannt. Das Archiv soll bis 2025 online zur Verfügung stehen, eine Herkulesaufgabe, die umso schneller erledigt ist, desto mehr Menschen dabei helfen. Falsch machen kann man nichts, denn jedes Dokument wird von mehreren Helfern bearbeitet und nur ins Archiv überstellt, wenn die Angaben übereinstimmen.

Seit 2015 werden die Dokumente erfasst, seit 2020 gibt es die Aktion #everynamecounts (jeder Name zählt), die als pädagogisches Projekt an Schulen begann und bei der sich nach einem Jahr mehr als 11.000 Freiwillige aus aller Welt beteiligen. In diesen Tagen gibt es eine besondere Initiative, zu der auch die Kulturstaatsministerin Claudia Roth als Schirmherrin anlässlich des bevorstehenden Holocaust-Gedenktags am 27. Januar aufruft. Die Archives werden vollständig aus Roths Etat finanziert; 2023 mit 16,4 Millionen Euro. Ziel der seit vergangenem Sonntag laufenden Aktion ist es, bis zum 29. Januar in einer einwöchigen Mitmachaktion 30.000 Häftlingskarten aus den Beständen des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof zu erfassen. Ein digitales Denkmal soll so entstehen.

Arolsen Archives: Aus Buchstaben und Zahlen werden Geschichten

Ob man es Denkmal nennen muss, sei dahingestellt, es klingt jedenfalls würdiger als Datenbank. Die Vorstellung, dass jemand nach dem Verbleib seiner Vorfahren forscht und dann über dieses Online-Archiv mehr über ihr Schicksal erfährt, ist eine Motivation. Sehr wirkungsvoll ist das Projekt aber auch für die, die sich an ihm beteiligen. Jeder, der schon selbst seine Familiengeschichte zurückverfolgt hat, weiß, wie viel ein paar Daten und Namen bedeuten können – wenn sich Kreise schließen, Fragen beantworten, Geschichten zusammenfügen. Mit dem kleinen körperlich-geistigen Vorgang des Eintippens einer Buchstabenfolge fühlt man sich einem Menschen nah und spürt ein Echo seiner Existenz. Es ist ein gutes Erlebnis.