Berlin - Irgendwann in den 80er-Jahren, als es noch richtige analoge Festivals gab, hatte ich einmal die Gelegenheit, Eric Clapton live im dänischen Roskilde zu erleben. Es war ein schöner Sommerabend, passend zur guten Laune der vor der Bühne versammelten Zuhörer spielte die Band „In The Air Tonight“ – und der Schlagzeuger sang dazu. Es war Phil Collins.

Popstars machen das so: „With A Little Help From My Friends”. Tatsächlich aber war es andersherum. Als es Clapton eine Zeit lang richtig schlecht ergangen war – auch wegen intensiven Drogenkonsums – war es sein Freund Phil Collins, der ihm beistand. Na klar. So eine Erzählung ist auch ein Männerding. Wer weiß schon, wie es wirklich war?

Erhöht Drogenkonsum die Risiken?

Das habe ich mich, der Claptons Alben seit bald 50 Jahren hört, allerdings auch gefragt, als nun die Nachricht über dessen Reue verbreitet wurde, eine Impfung mit AstraZeneca erhalten zu haben. Ich wage nicht zu bestreiten, dass es schlimm war. Es sei ihm wochenlang schlecht gegangen, und er habe befürchtet, nie wieder Gitarre spielen zu können.

Jetzt wäre eine kleine Kasuistik hilfreich, die Auskunft darüber geben könnte, ob Menschen, die Raubbau an ihrer Gesundheit betrieben haben, mit stärkeren Nebenwirkungen rechnen müssen. Oder hat Eric Clapton einfach nur Pech gehabt?

Inzwischen geht es ihm wieder besser. Das freut mich auch als Fan, der nicht immer glücklich mit den gesellschaftspolitischen Äußerungen des Gitarrengenies war. Ihm selbst ging es genauso. Er schäme sich für rassistische Parolen, gestand Clapton vor drei Jahren der Zeitung Daily Mail, die er in den 70er-Jahren zur Unterstützung der rechten Partei National Front von sich gegeben habe, obwohl er doch gerade von schwarzen Musikern so unglaublich viel gelernt habe.

Clapton hören ist gut, seinen Tiraden zuzuhören weniger. Ein Album von 1976 – aus einer Zeit, in der er schlecht drauf war – trägt den Titel: „No Reason To Cry“.