Das Z war in diesem Krieg von Anfang an da, handgemalt auf russischen Panzern und Armee-Lastern, die über die Grenze zur Ukraine rollten. Es gibt auch die Buchstaben V und O, aber vor allem das Z. Der Buchstabe existiert im kyrillischen Alphabet nicht, und es wird jetzt viel spekuliert über die Bedeutung des mysteriösen Zeichens. Es könnte den ursprünglichen Standort der Panzer markieren, Z könnte für Zapad stehen, Westen. Oder steht Z für Zelenskyj und V für Vladimir Putin? Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, das Schriftzeichen stehe für „Für den Sieg“, transkribiert „za pobedoy“. Doch dies ist wohl eine nachträgliche Interpretation. Vielleicht soll das Zeichen auch Soldaten helfen, russische von ukrainischen Panzern zu unterscheiden. Als die russischen Panzer während des Prager Frühlings 1968 in die Tschechoslowakei einrollten, waren sie mit einem weißen Kreuz gekennzeichnet.

Sicher ist nur, dass der Buchstabe binnen kaum zwei Wochen zu einem Symbol für Putins Krieg geworden ist, ein Erkennungszeichen für die Unterstützer der Aggression gegen die Ukraine. In Moskau kennzeichnen Autofahrer ihre Fahrzeuge damit, es ist an Bushaltestellen gemalt oder gesprüht, in Sankt Petersburg hängt es als Riesenplakat an Hauswänden, geformt aus dem schwarz-orangefarbenen Sankt-Georgs-Band, das an den Sieg der Sowjetarmee über Nazi-Deutschland erinnert – und nimmt damit Putins Wort der Entnazifizierung der Ukraine auf. Der russische Turner Iwan Kuliak hatte den Buchstaben mit Klebeband auf sein Shirt geklebt, mit dem er bei der Siegerehrung in Doha auftrat. Er muss nun mit einer Disziplinarstrafe rechnen.

Das Z ist nicht nur ein Solidaritäts-, sondern ein Bedrohungszeichen. Am 5. März hat es jemand an die Tür der Moskauer Wohnung eines Pussy-Riot-Mitglieds gesprüht, Rita Flores. Das Z soll das Fürchten lehren, es verbreitet sich rasant. Lange wird es nicht dauern, bis es auch in Berlin erscheint.